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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 166

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
Date
1925-06-01
Page
166 (sequence 5)
Language
German
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R. Hallo die noch einen stark bildhaften Anblick gewährten, wenn sie auch nicht die formsichere Gestalt der ägyptischen Bilder besaßen. Gardiner ging mit genialer Sicherheit an die Lesung heran, setzte die Petriesche Bildergruppe Haus, Auge, Strick (?), Kreuz in die hebräischen Korrelate dieser Wörter um, nahm von jedem dieser vier Worte den Anfangsbuchstaben und erhielt so b.c. L L, zu deutsch Herrin (Baal mit weiblichem Suffix t), den Titel der ägyptischen Hathor, der Herrin des Malachits; und die ägyptische Parallele n b. t Herrin m f k. t des Malachits bestätigte glänzend die gefundene Lesung! So war im Prinzip das Rätsel der altsinai tischen Schrift gelöst Über die Sprache der Schrift war freilich damit noch nichts gesagt, da b clt nicht dem Hebräischen speziell, sondern dem gesamten westlichen Zweig der semitischen Sprache angehören kann (wie etwa die Entzifferung der Buchstabengruppe land nicht erkennen ließe, ob es deutsch Land oder englisch land wäre), und der deutsche Ägyptologe Sethe, der Gardiners Arbeit noch während des Krieges bekannt machte und fortführte (G. G. N. 1917), vermochte diese erste Lesung nur zu bestätigen und jenes von Petrie beobachtete fünfte Zeichen der Gruppe mit 1 zu deuten, die Gruppe damit als: für Bclt zu übersetzen.7) Während Sethes Interesse aber wie dasjenige Gardiners in erster Linie auf die sprachliche und alphabetgeschichtliche Verarbeitung der neuen Schrift ging, nahm sich der Religionswissenschaftler Eisler, stets wagemutig und allem Rätselhaftem zugeneigt, des Inhalts der Inschriften an und entlockte ihnen, neben einem kleinen Gewinn an sicherer Erweiterung, eine Fülle von derart gewagten Lesungen, die er unter dem Titel „Qenitische Weihinschriften" herausgab, daß er durch seinen Übereifer die Sinaiforschung leider für einige Jahre diskreditierte. Es ist freilich nicht seine Schuld, daß dem Überschwang seines persönlichen Temperaments mit Verachtung seiner wissenschaftlichen Arbeit geantwortet wurde. Die Kühnheit und Energie, mit der er die Inschriften aus dem Spezialgebiet der Ägyptologie in die große Öffentlichkeit der althistorischen Wissenschaften zog, bleibt, neben der Beherrschtheit, mit der er seine Interpretation von allen Versuchen fernhielt, um jeden Preis durch diese Zufallsfunde die Offenbarungsgeschichte des Alten Testaments zu stützen, ein Verdienst Wir werden an seinem Nachfolger Grimme sehen, wohin der Mangel dieser kritischen Beschränkung führen kann. 7) Es versteht sich, daß die sinaitische Schrift vom Ägyptischen nur das Prinzip des Schreibens übernahm, nicht das konkrete Buchstabenbild! Denn um den Buchstaben p zu schreiben muß beispielsweise der Ägypter ein Haus p (r), der Semit einen Mund p (eh), der Deutsche ein Roß: P (ferd) zeichnen. Gardiners Arbeit steht verdeutscht in Z. D. M. G. IQ23, S. 92 ff. 166

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