Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 165 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens Denkmälern sich fünfmal wiederholte. Aber die Lesung dieser Zeichengrappe gelang erst 1917 dem Bearbeiter des Petrie'schen Schriftmaterials, Alan Gardiner, einem speziellen Kenner der Entwicklungsgeschichte der Hieroglyphen. Wir müssen uns versagen, die Geschichte der Entzifferung und die Ergebnisse der von Gardiner und seinen Nachfolgern angestellten Untersuchungen in voller Breite vorzuführen, obwohl sie auf ein ungewöhnliches Interesse rechnen könnten, da sie nichts weniger zum Gegenstand haben als die Geschichte des Alphabets vom ägyptischen Hieroglyphenbild über den Sinai*) nach Palästina und durch das phönizisch-hebräische ins griechische, durchs lateinische und gotische bis zum deutschen Alphabet lückenlos festzulegen. Wir dürfen an dieser Stelle nur den Weg der Entzifferung angeben und von ihren Ergebnissen soviel, als genügt, um die sinaitischen Probleme hervortreten zu lassen.5) Ausgehend von der Bemerkung, daß die Namen der Mehrzahl der hebräischen Buchstaben (Aleph, Beth, Ajin, Peh usw.) Gegenstände bezeichneten, die in den uns geläufigen hebräischen Buchstabenzeichen nicht zu erkennen sind, nämlich Rind, Haus, Auge, Mund, daß anderseits die ägyptischen Hieroglyphen seit dem 18. Jahrhundert etwa in gewissem Umfang bildhaft ein Rind, ein Haus, ein Auge, einen Mund usw. zu zeichnen pflegten,, um damit die Anfangsbuchstaben der diesen Dingen zukommenden ägyptischen Worte zu schreiben (also, da Haus ägyptisch pr heißt, wie wir aus Pharao- großes Haus, wissen, was der Bezeichnung hohe Pforte oder heiliger Stuhl für den Herrscher im Islam oder in der Kirche entspricht, das Bild des Hauses ein p bedeutete), vermutete er, daß die hebräischen Buchstaben demzufolge einmal hieroglyphenartige Ritzbilder dessen gewesen sein mußten, was ihr Name heute noch besagt Nun sind die ältesten, uns erhaltenen, unbildmäßig gewordenen Schriftformen 6) solche des hohen 9. Jahrhunderts. Hier auf dem' Sinai befand man sich aber ausweislich der ägyptischen Inschriften in der Mitte des zweiten Jahrtausends, vor Schriftzeichen, *) Die sinaitische Schrift liegt zwar auf einer Seitenlinie dieses Stammbaums, hat aber dazu gedient, ihn zu ermitteln. *) Robert Eisler hat vor kurzem ein Juwel aus der Sammlung ägyptbch-phönizbch-braelitischer Beziehungen vorgelegt: das Geschlecht der Handelsherren von Berakh-el, das das spätjüdische Testament Naphtalb erwähnt, kommt so schon zehn Jahrhunderte früher in ägyptischen Urkunden vor! Z.D.M.G. 192/», S. 61. 6) Übrigens nicht in denen der nachexilischen hebräischen Quadratschrift, sondern in solchen, die der samaritanischen Schrift ähneln. Ganz neuerdings ist eine phönizische Inschrift aus dem i3. Jahrhundert bekannt geworden, die bereits unbildmäßige Zeichen auf webt. Danach wird die bbherige Annahme zur Gewißheit, daß die sinailbche Schriftart nicht auf der Haupt-, sondern auf einer konservativen Nebenlinie der Schriftabstammung liegt. Siehe zuletzt Lidzbarski in Gött. Gel. Nachr. 1924, S. £7. 165 11