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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 164

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
Date
1925-06-01
Page
164 (sequence 3)
Language
German
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R. Hallo die jüdische Gemeinde sich mit der Bitte um Erlaubnis des Wiederaufbaus an den persischen Statthalter in Juda, Bagoas, wandte, von ihm zwar gestattet wurde, das Heiligtum wieder aufzubauen und an ihm Rauch- und Speisopfer darzubringen, aber die Bitte um Erlaubnis der Wiederherstellung des Brandaltars, also auch des Brandopfers mit Stillschweigen übergangen, mithin abgeschlagen wurde. Dafür wurde den Bittstellern mit diplomatischer Geschmeidigkeit nominell gegeben, was ihnen de jure genommen wurde: das Heiligtum, das keinen Altar mehr besitzen sollte, durfte sich mit einem neugeprägten Wort: Haus der Opferstätte beth mizbeach nennen lassen 1 Indem so der verantwortliche Reichsbeamte die ägyptischen Fanatiker befriedigte, ohne die jüdischen Bittsteller geradezu abzuweisen, diente er jener großen Politik Persiens, das Friede an seinen Grenzen wünschte, und zugleich nur Ein jüdisches Heiligtum als vollkommenen Tempel gelten ließ, das, zu dessen Verweser es Esra nach Jerusalem entsandt hatte. Da die weit angewachsene Literatur über Elephantine dieses Kabinettstück religionspolitischer Diplomatie, soweit ich sehe, nirgends vorgeführt hat, glaubte ich, es hier einschalten zu dürfen; zur Orientierung s. Ed. Meyer: Der Papyrusfund von Elephantine, Berlin 1912. Man würde darauf nicht so viel Gewicht gelegt haben, wenn nicht eine der XIL Dynastie entstammende Inschrifttafel2) in Hieroglyphenschrift drei ersichtlich semitische Personennamen aufgewiesen hätte, nicht zu vergessen einer Nachricht, daß ein syrisch-palästinensischer Prinz diese ägyptischen Staatsbergwerke besucht hatte. Jedoch die eigentliche Überraschung brachte ein durch Frau Petrie gewonnener Fund verschiedener, vom Felsen abgestürzter oder noch im Fels sitzender Steintafeln mit einer unbekannten, zunächst unlesbaren Schrift, deren Zeichen sich bald auch auf einer Sphinx und einer rohen, ägyptischen Hockerstatue fanden. Die Funde waren beim Tempel wie bei den Mineneingängen verstreut Petrie nahm von allen diesen Steindenkmalen — zu denen sich nachher in den Museen noch einige bisher verkannte Stücke dazu fanden — Abschrift, ließ die Steine an Ort und Stelle3) und legte mit dankenswerter Schnelligkeit und Vollständigkeit 1906 in seinem Werk „Researches in Sinai" seine Entdeckungen vor. Ohne sich auf den Versuch der Entzifferung einzulassen; stellte er doch bereits fest, daß die Menge dieser dünnen Ritzlinien nicht willkürliche Zeichen seien, sondern Schriftwert haben müßten, da dieselbe Gruppierung von vier oder fünf unter sich verschiedenen Zeichen auf 26 2) Die Fülle der aufrechtstehenden Tafeln (Stelen) hatte Niebuhr den Eindruck des Friedhofs gemacht. Übrigens scheint, wie die Stelenreihen von Meggido unterm Karmel und Assur vermuten lassen, die Reihung von Stelen auch eine semitische Sitte zu sein. 8) Wir können an diesem Platz nur mit allem Nachdruck den Wunsch Grimmes — s. u. — unterstützen, daß sich, ehe es zu spät wird, wenn nicht Alle, dann doch gewiß die Juden der Bergung der Sinaifunde und weiterer Nachforschungen durch Bereitstellung reicher Mittel annehmen mögen I t64

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