Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 163 (sequence 2)
- Language
- German
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B.. Hallo: Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens Der erfahrene englische Ägyptologe FL Petrie war es, der, unterstützt von seiner Frau, im Jahre 190 5 topographisch und archäologisch am „Sinai" seine gewaltige Energie und Forschererfahrung einsetzte. Soweit seine Ergebnisse allein die ägyptische Geschichte betreffen, bleiben sie hier unerörtert; hier seien nur seine im mosaischen Sinn sinaitischen Funde geschildert Petrie hatte nämlich, als er auf den Stätten der seit langem bekannten altägyptischen Staatsbergwerke im Minendistrikt des Wadi Maghara und auf der Hochebene von Serabit el Chadem grub, auf jenem Niebuhrschen „Friedhof" Funde gemacht, die das schärfste Interesse der alttestamentlichen Religions- und Geschichtsforschung verdienten. Hier im südlichen Drittel der Westküste der Halbinsel, wo seit den Zeiten der Pyramidenerbauer und hinab bis zum Verfall der ägyptischen Macht nach Kupfer und seinem Nebenprodukt Malachit (ägyptisch MFK. T) gegraben worden war — wie aus zahlreichen ägyptischen Nachrichten schon immer bekannt war — legte Petrie nämlich zwei Tempelanlagen frei, die eine überraschende Verquickong ägyptischer Grundriß- und Einzelformen mit semitischem Kultgebrauch zeigten und, ausweislich der hieroglyphischen Inschriften und Votive, der größere der ägyptischen Gottin Hathor, der Herrin des Malachits (Nb.t mfk.t), der kleinere dem Gotte der Landschaft Gosen, d. i. des ägyptisch-sinaitischen Grenzlandes, in dem die Israeliten geweilt hatten, Sapdu1), gehörten. Beide Tempel, aus einer Felscella herausquellend und mit ihren inneren Längsseiten aneinandergelehnt, waren im Lauf vieler baufreudiger Dynastieen, in der Art wie etwa ein großer Reichstempel in Karnak,. um Hof und Vorhof wieder und wieder vorgeschuht worden und, da diese Erweiterung nach vorn, die die Cella immer tiefer zurückdrückte, dem Zug des Geländes folgend, in Knicken verlief, so entstand allmählich unter den großen Herrschern der XVIII. bis XX. Dynastie von Thutmosis III. und der Königin Hatschepsut bis zu den Ramessiden des 12. Jahrhunderts aus der uralten Anlage ein einzigartig phantastischer Gebäudekomplex mit den unverkennbaren Spuren semitischer Opfer — Brandasche! Brandopfer, den Ägyptern nahezu unbekannt, gehören mitsamt dem zugehörigen Altar als der Schlacht (Mizbeach der Altar von z-b-ch schlachtenl) — und Brandstätte so fest zum alten westsemitischen und speziell zum altisraelitischen Kult, daß noch im Zeitraum der Restitution des Judentums durch Esra, als der Tempel der jüdischen Gemeinde in Elephantine (an der ägyptisch-nubischen Grenze) von den einheimischen fanatisierten Verehrern des widderköpfigen Gottes Qn"m wohl gerade wegen des israelitischen Tieropfers zerstört wurde und a) Nach der gewöhnlichen Aussprache Sopd genannt. 163