Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Was trennt und was eint die Konfessionen?
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 140 (sequence 4)
- Language
- German
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Heinrich Frick fession" und „Religion" einander gleichgesetzt werden, wie wenn sie nur verschiedene Bezeichnungen derselben Sache wären. Noch jene amerikanischen Staatengründer dachten nicht daran. Denn Konfession war für sie immer eine Einzelausprägung des Christentums. Es ist noch ein anderer Gedanke, teilweise zusammengehend mit einem Wiederaufleben der Aufklärung des 18. Jahrhunderts (vergL Lessing), wenn heutzutage bei uns alle Religionen, einerlei ob christlicher oder außerchristlicher Art, toleriert werden. Theologisch läuft parallel eine Entwicklung, für die als Beispiel der Name Rudolf Otto genannt werden mag, d. h. man versucht irgendwie herauszuarbeiten, wieso hinter den verschiedenen Konfessionen, ja sogar Religionen ein letzter gemeinsamer Wille sich regt, wieso also die verschiedenen Erscheinungen in ihrem Wesenskern dieselben sein könnten. Das Judentum hat an diesem geschichtlichen Verlauf aktiven und passiven Anteil besonderer Art Es war und ist ja eigentlich noch heute unter uns die einzige außerchristliche Religion von größerer Anhängerschaft Daß es zu den sog. Offenbarungsreligionen und dazu noch den auf dem Alten Testament beruhenden, gehört, hat seine Lage einerseits erschwert, andrerseits erleichtert Erschwert, sofern es als das große Ärgernis empfunden werden mußte, wenn mitten in der „Christenheit" Leute saßen, die am Alten Testament festhielten, ohne das Neue anzuerkennen, die also zu verstehen gaben, daß sie dem Christentum den Ruhemestitel einer „Erfüllung der Verheißung" abstritten! Darin liegt auch für denjenigen Christen, der den ganzen Komplex des wirtschaftlich, nationalistisch und rassenmythologisch bedingten Antisemitismus gänzlich von sich abgestoßen hat, eine letzte Distanz begründet, die derjenigen zwischen Rom und dem Protestantismus verglichen werden kann. Gerade die lautersten und tiefsten Menschen in beiden Lagern spüren diesen Graben, der sie trennt, und sehen eben darin die Aufgabe, nach Überwindung aller außerreligiösen und untersittlichen Polemik die letzte religiöse Differenz in eine fruchtbare Auseinandersetzung überzuleiten. Insofern war es von historischer Folge, daß in der entscheidungsreichen Zeit unseres klassischen Idealismus die größten Deutschen ein positives Verhältnis zum Alten Testament, zum Judentum und zur Judenschaft gefunden haben, Nathan ist es, dem Lessing die Parabel von den drei Ringen in den Mund legt Seitdem ist von den maßgebenden geistigen Führern Deutschlands das Judentum als Konfession mit hereingenommen worden in das Programm der „Toleranz" und sind hervorragende jüdische Geister Verkünder 140