Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 138

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Was trennt und was eint die Konfessionen?
Date
1925-06-01
Page
138 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2895450-2895451-2895454-2895902--00167-2895945
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Heinrich Frick Einzelmenschen bedeutet diese Veranlagung eine gefährliche Mitgift Da nichts für sich, sondern alles nur im Zusammenhang betrachtet und getrieben wird, wächst sich leicht ein kleiner Gegensatz ins Große aus, ja, es werden alle Beziehungen von Mensch zu Mensch vergiftet durch die Leidenschaftlichkeit, die sich mit letzten, vor allem mit religiösen Gegensätzen gern verbindet Deshalb hat auch die konfessionelle Frage in Deutschland ein eigenes Gesicht Man muß an den Ursprung des konfessionellen Zwiespalts denken, um ihn richtig zu verstehen. Als 1529 die Stände in Speyer es mit ihrer Religion so zu halten versprachen, wie sie es vor Gott und kaiserlicher Majestät verantworten könnten, kämpften sie um das Recht konfessioneller Freiheit Das Marburger Religionsgespräch vom gleichen Jahre legte dann die Auffassung nahe, wie wenn es sich dabei in der Hauptsache um theologische Lehr punkte handelte; denn dort einigten sich die Parteien Luthers und Zwingiis auf i4 Punkte und stellten nur mit Bezug auf den i5. Punkt ihre Verschiedenheit fest, das war die Lehre vom Abendmahl. Auch die folgenden Vorgange könnten die Auffassung verstärken, wie wenn gewisse Lehren dabei das Wichtigste wären. Aber das ist nicht der Fall. Denn schon in Marburg fällt das bezeichnende Wort Luthers gegen Zwingli: „Ihr habt einen andern Geist". So spricht die „Komplex-Seele" eines Deutschen, der von einem einzigen Streitpunkt aus alsbald einen Gesamtgegensatz sich entwickeln sieht Dieses zunächst unerhört scharfe Wort Luthers hat schon viel Widerspruch gefunden und wird ihn immer wieder finden. Aber eine ruhige Betrachtung lehrt, daß die Geschichte ihm recht gegeben hat Erst von da aus wird auch die Gegenwart verständlich. Wir müssen dabei eine äußere und eine innere Entwicklung der konfessionellen Frage in Deutschland unterscheiden. Äußerlich nimmt sich der Vorgang so aus, daß in jedem Geschlecht aufs neue um einen modus vivendi gekämpft wird, dessen Ergebnis meistens in dem Grundsatz religiöser Toleranz besteht Dabei ist diese Toleranz ebenso wie der Begriff Konfession immer weiter ausgedehnt worden. Noch i53o tat der Reichstag von Augsburg so, wie wenn es in Deutschland überhaupt nur eine Konfession, die römisch-katholische, geben sollte. Der sogenannte Religionsfriede von i555 erkennt dann zwei Konfessionen, nämlich die römisch-katholische und die Anhängerschaft des Augsburger Bekenntnisses, reichsrechtlich an. Fast 100 Jahre dauerte es, bis dieselbe Anerkennung im Westfälischen Frieden auch der reformierten Konfession ausdrücklich zuteil wurde. Dabei bezogen sich im 16. und 17. Jahr- X38

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.