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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 123

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Jüdische Höhlenbewohner in Tripoli
Date
1925-04-01
Page
123 (sequence 14)
Language
German
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Jüdische Höhlenbewohner korrumpiert), die ausgezeichnete Kirschen liefern, und mit Zucker dick eingekocht als „Sirup" an die Bewohner der Küstenstädte verkauft werden. Neben und unter den Bäumen, aber natürlich mehr außerhalb der Ortschaften, wird besonders Gerste kultiviert, für Mehl und Brot Besonders auch bei Tegrina sah ich gut gehaltene Gemüsegärten, in denen man die landesüblichen Gemüse baut, Kartoffeln allerdings nicht; die gedeihen besser im Sandboden der Oase von Tripoli, im Schatten von fast zwei Millionen Palmen. Sie liefern den Hauptteil der nach Europa exportierten sogenannten Maltakartoffeln. — Im übrigen werden Rinder, allerdings ein degenerierter Schlag, Fettschwanz-Schafe und Ziegen gehalten. Nun noch ein Wort über die gewerblichen Verhältnisse der Bewohner der jüdischen Orte des Garian. Es gibt dort relativ viel Schmiede, da die Mohamedaner dieses Handwerk nicht ausüben, sondern ihre Messer, Pflüge, Spaten, Sicheln von den Juden beziehen. Von gewissen abergläubischen Vorstellungen der Araber ganz abgesehen, mag das wohl daher kommen, daß die Arbeit eine gewisse Schnelligkeit und Überlegung erfordert, wie auch eine größere geistige Regsamkeit. Nun ist aber das intellektuelle Niveau bei den Juden dort entschieden höher als bei den Arabern, was wohl mit den besseren hygienischen und sittlichen Verhältnissen bei den Juden zusammenhängt, auf die ich hier nicht näher eingehen kann. Aus dem gleichen Grund mögen die Webereiprodukte der jüdischen Frauen des Garian ihren wohl berechtigten Ruf an der ganzen Küste haben. Sie fertigen in ihren unterirdischen Kammern auf wagrechten, höchst primitiven Webstühlen sehr schöne Decken, Satteltaschen an; vor allem aber „lchram's", auch „Holi" genannt; das sind etwa 5 m lange, 1V2 m breite, wollene Gewebe, in die man sich in bestimmter Weise zweimal einwickelt, und die in leichterer Ausführung im Sommer, im Winter in dickerem Gewebe, das Hauptkleidungsstück der Araber in Tripolitanien, und auch der Juden im Garian sind. Die Juden in den Küstenstädten dagegen kleiden sich halb europäisch. — Die Holi's sind weiß, oft mit reich gestickten und gewebten Rändern und Kanten verziert, manchmal in verschiedenen blauen Schattierungen, oder aber der Fond ist tief rot, und die Verzierungen weiß und schwarz. Nun noch ein Wort über die allgemeinen Verhältnisse der jüdischen Troglodyten des Garian, deren „Herz" der Leser schon duch die oben erzählte kleine Episode kennen gelernt hat In Kassr-Garian war ich der Gast des dortigen Kaimakan (nach deutschen Begriffen Landrat; einem solchen Beamten in der Türkei unterstand früher ein Gebiet, in dem er oberste Zivil- 123

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