Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Jüdische Höhlenbewohner in Tripoli
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 122 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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E. Brandenburg so in das Cape zu wickeln, daß es einigermaßen aussah, als ob ich die Rolle noch hätte. Als wir uns schon Kassr-Garian näherten, bemerkte der Tschausch doch ihr Fehlen und fragte mich, wo sie wäre. Ich sagte ruhig, daß ich sie wohl verloren hätte. Wohl um sich diensteifrig zu zeigen, wollte er umkehren und sie suchen, wogegen ich aber energisch protestierte, die Nacht käme herauf, er sei zu meinem Schutz abkommandiert, er möge gefälligst bei mir bleiben und nicht noch in der Nacht herumvagabondieren* sondern mir folgen, was er denn auch tat Ich war mit einem gewissen Bedauern von Tegrina geschieden, denn dort werden sehr schöne Webereien, auf die ich noch zurückkommen werde, angefertigt, und ich hätte gerne einige Stück gekauft! Daran war natürlich nach dem Vorfall in der Synagoge nicht mehr zu denken. Wie groß war aber meine Überraschung, als einige Zeit später, wie ich längst wieder in Tripoli war, zwei Abgesandte aus Tegrina zu mir kamen, die den weiten beschwerlichen Weg nicht gescheut hatten, drei Tage hin und zurück, um mir im Namen der Gemeinde zu danken und mir zwei kleine, aber wunderhübsch gearbeitete Decken, wie ich sie mir gerne gekauft hätte, als äußeres Zeichen des Dankes zu bringen. Sie haben mir damit eine wirkliche Freude gemacht, noch mehr aber freute mich die Art, in der sie mir dankten. Selbstverständlich behielt ich die beiden Tegriner als meine Gäste bei mir, bis sie sich gründlich ausgeruht hatten und entließ sie dann mit großen Tüten voll Süßigkeiten für ihre und des Rabbiners Frau und Kinder. Doch kehren wir nach dieser Episode, welche die gute, vornehme Art der Leute von Tegrina besser charakterisiert als eine lange moralische Abhandlung, wieder zu diesen selbst und ihrer Art zu leben zurück. Man kann letztere nicht mit der des deutschen Bauern vergleichen, eher mit der des italienischen in Toscana. Sie haben ihre Oliven, die ihnen das nötige öl liefern, in der Nähe ihrer „Häuser", oder dicht um den Ort herum, stehen. Die Zucht der Bäume ist aber nicht so einfach wie in Toscana, denn besonders im Winter sausen und brausen oft heftige Stürme über das Hochplateau. Daher wird jedes einzelne junge Bäumchen mit einer runden Steinmauer, besser Steinschanze, umgeben, damit es von den heftigen Westwinden nicht geknickt, von dem bösen „Gibbel", den man in Deutschland in sehr abgeschwächter Form als Föhn kennt, nicht ausgedörrt wird. Erst wenn die Bäume größer und stark geworden sind, läßt man die lose gefügten Schutzmauern zerfallen. Ebenso große Sorgfalt verwendet man auf die „Wischni" (wohl aus „Weichsel" 122