Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 117

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Jüdische Höhlenbewohner in Tripoli
Date
1925-04-01
Page
117 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2895450-2895451-2895453-2895745--00136-2895883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdische Höhlenbewohner zweite und sogar dritte hinter der vor ihr gelegenen an, in denen es dann natürlich stockfinster ist, da das Licht des Hofes nicht so weit eindringen kann. In vielen Fällen ist man nun beim „Bau" dieser hinteren Räume bis an die gleichen des Nachbargrundstücks geraten und hat so zwischen beiden eine unterirdische Verbindung geschaffen. Mir sagte ein Gewährsmann, daß ein Eingeweihter unter der Erde von einem Ende des Ortes zum andern gehen könne. Das ist natürlich nur bei den Juden, die kein Haremssystem haben, möglich; bei Mohamedanern wäre das undenkbar. Diese Verbindungen, zu denen auch noch besondere „Fluchtgänge" und geheime Gelasse kommen, haben besonders früher dazu gedient, bei feindlichen Überfällen wenigstens das Leben und wohl auch die kostbarste Habe zu retten. Die Gegend muß früher ziemlich unsicher gewesen sein; das zeigen die vielen, heute zerfallenen Wachttürme und kleinen Befestigungen, die ich auf dem Wege von Kassr-Garian nach Tegrina und den anderen Ortschaften sah. Nun muß ich noch einen sehr „natürlichen" aber wunden Punkt dieser unterirdischen Wohnweise berühren; er betrifft zwei Buchstaben, deren Zusammenstellung wir den Engländern en dehnt haben. In manchen Kammern bemerkt man kleine, halbkreisförmige Ausbuchtungen an den Wänden. Das noch Unnennbarere verschwindet dort einfach in einem tiefen Loch, im Boden der Nischen, was natürlich nicht gerade zur Verbesserung der Luft beiträgt. La dem von Juden bewohnten Ort Tegrina geht man in der Benutzung dieser Lokalitäten sparsamer um; bei Tage befolgt man die alte Vorschrift diese Verrichtungen „außerhalb des Lagers", d. h. hier der Häuser, hinter einem Wall, abzumachen. Wie man mir sagte, werden die „WC" nur von Frauen und Kindern bei Nacht, oder sehr schlechtem Wetter benutzt, weshalb die sanitären Verhältnisse dort auch weit besser sind. In dem mohamedanischen Kassr- Garian dagegen darf die Frau den Hof und das Haus nur so .wenig wie möglich verlassen, aus Scheu, von fremden Männern gesehen zu werden. Bei den Wohlhabenden ist daher auch ein vom Hof aus zugänglicher Raum besonders dazu hergerichtet. Schlimm ist es bei den Ärmeren, von denen mehrere Familien ein „Haus" zusammen bewohnen: dort haben die Männer einen gemeinsamen Wohn-Raum für sich, den „Selamlik", ebenso die Frauen und Kinder jedes einzelnen Mannes. In jedem dieser „Haremlik's" aber befindet sich ein solcher „Abdest", was ich oft sogar im Hofe draußen stehend, als ich meine Aufnahmen machte, gemerkt, richtiger gerochen habe! \\1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.