Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Jüdische Höhlenbewohner in Tripoli
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 116 (sequence 7)
- Language
- German
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E. Brandenburg Immerhin sah ich unter minderten von Kammern nur ganz wenige eingefallene, und soweit ich mich entsinnen kann, soll es in Kassr-Garian nur drei völlig eingestürzte „Häuser" geben. — Da man keine BaUmschriften angebracht hat, so war es natürlich nicht möglich, präzise Angaben über die Zeit zu bekommen, die ein solcher „Bau" steht Jedenfalls versicherten mir eine ganze Anzahl von Besitzern noch recht gut erhaltener Häuser, daß sie genau wüßten, daß schon ihre Großväter darin gewohnt hätten. Das wären also ungefähr 70 Jahre, wenn man annimmt, daß der Großvater das Gehöft mit 20 Jahren erbaute. Wesentlich höher würden sich aber diese Zahlen stellen, wenn die Angaben des Rabbiners von Tegrina richtig sind, nämlich, daß die alte Synagoge, in der sich heute die Schule befindet, etwa im Jahre 1620 errichtet worden sei. Daraus könnte man schließen, daß diese „Lehmarchitektur" sogar 3oo Jahre überdauert hat, denn man sah keine Spuren der Zerstörung dort Die Söhne bleiben nach ihrer Verheiratung im Elternhaus wohnen und bekommen nur ein besonderes Schlafzimmer. Beim Tode des Vaters rückt der Sohn dann in die Stellung des pater familias hinauf. Das wäre im großen und ganzen das wichtigste, was sich über die allgemeine Art der Behausungen auf dem Djebel-Garian sagen ließe. Es gibt natürlich Abweichungen, je nach den verschiedenen Ortschaften. Ich möchte nunmehr die jüdischen Niederlassungen etwas eingehender schildern. Ich besuchte u. a. die hauptsächlichste von ihnen, Tegrina, auch Tarhuna genannt, die südöstlich von Kassr-Garian liegt Der Ort ist nicht, wie der zuletzt genannte, in einem, wenigstens im Durchschnitt ebenen Gelände gelegen, sondern an einem Bergabhang. Deswegen sind die Lehmlager hier wohl nicht so mächtig, und dementsprechend die Höfe der Häuser etwas weniger tief. Ein weiterer Unterschied zwischen beiden Orten wäre endlich der, daß man in Tegrina die Wände der Höfe „gepflastert" hat, d. h. Bruchsteine werden dicht nebeneinander mit einem Holzhammer in den Lehm hineingetrieben, wodurch eine größere Widerstandsfähigkeit gegen Regen erreicht wird. Die mit Steinen durchsetzten Stellen können nicht so leicht abgewaschen, resp. fortgeschwemmt werden; bilden sich zwischen ihnen, da wo der Lehm nicht durch den Stein geschützt ist, durch Auswaschung zu tiefe Rinnen, so werden diese mit leichter Mühe wieder mit Lehm verputzt Ein Unterschied besteht zwischen den arabischen und jüdischen Niederlassungen: während bei den ersteren meist nur je eine Kammer in die Wand des Hofes gearbeitet ist, schließt sich bei den Juden an diese oft noch eine 116