Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Jüdische Höhlenbewohner in Tripoli
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 114 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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£. Brandenburg ist usw. Wer sich darüber informieren will, lese meinen wissenschaftlichen Bericht darüber: „Die Troglodyten des Djebel-Garian" in der „Orientalischen Literatur-Zeitung", Januar 1911, Seite 1 ff. Hier sei nur kurz erwähnt, daß diese Art zu „bauen" unter den dort gegebenen Verhältnissen die einzig richtige und zweckmäßige ist Die wenigen zum Ackerbau geeigneten Bodenstellen werden mit Getreide angepflanzt, kleine, zerstreut liegende, humusreiche Stellen werden zum Anpflanzen von Oliven und Weichselkirschen verwertet Für Nutzholz ist kein Platz. Koniferen würden dort auch schlecht gedeihen. Zum Bau von Häusern braucht man aber unbedingt Holz, und sei es nur für die Tragbalken, Türen, Fenster u. dgl., denn Eisenträger sind dort, abseits von aller europäischen Fabrikation, natürlich nicht zu haben; Oliven and Kirschen sind aber kaum geeignetes Bauholz und außerdem zu wertvoll. Also mußte man auf die oben beschriebene Weise, ohne Holz „bauen". Sie hat den Vorteil, daß die „Häuser" sehr leicht, ohne große technische Vorkenntnisse herzustellen sind, den klimatischen Anforderungen durchaus entsprechend. Die ca. 3—5 m dicke Lehmschicht, die über den Wohn- und sonstigen Räumen liegt, und der relativ schmale und kleine Eingang machen die Wohnung unabhängig von der Außentemperatur. Der Djebel-Garian hat ein recht extremes Klima; im Sommer ist es bei klarer Luft dort oben, 1000 m über dem Meere, sehr heiß und im Winter oft empfindlich kalt Der mildernde Einfluß der See gelangt nicht dorthin, und so sind im Winter Schnee und Eis keine Seltenheit Als ich im März mich dort befand, waren die Nächte bitterkalt, die Pfützen am Morgen dick gefroren; in den Mittagsstunden aber brannte die Sonne tüchtig. Ich habe die Temperaturen im Garian und in Tegrina gemessen, und zwar zu allen Stunden; in den Wohnräumen waren stets 17—180, in den Ställen war es durch die Ausdünstung des Viehs etwas wärmer. Die Leute versicherten mir einstimmig, daß es in den Räumen weder im kältesten Winter, noch im heißesten Sommer anders sei Bei großer Kälte und Nachts werden die Eingänge der Wohnräume durch dicke Decken geschützt — Obgleich nun die Türen nicht groß sind, so genügt das hereinfallende intensive Licht des Orients doch vollständig, um die Räume zu erhellen. Ich konnte, selbst ganz im Hintergrund der größeren Kammern, am Tage ohne künstliche Beleuchtung zeichnen und meine Notizen niederschreiben. Des Abends hilft man sich mit selbstgemachten Lichtern; primitive Petroleumlampen finden sich nur in „feinen" Häusern, die Leute stehen mit Sonnenaufgang auf und gehen mit Sonnenuntergang schlafen. Die meisten häuslichen Geschäfte werden von den Frauen, falls es nicht sehr regnet, im Hof verrichtet 1X4