Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Jüdische Höhlenbewohner in Tripoli
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 113 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895453-2895745--00132-2895879- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdische Höhlenbewohner muldenförmigen Vertiefungen große Lager des bekannten ockerfarbenen Lehms befinden, wie ihn die Töpfer zum Setzen der Kachelöfen benutzen. Diese Erdart hat den Vorteil sehr zäh und undurchlässig für Wasser zu sein. Aus diesem Lehm werden zuerst große viereckige Löcher, ca. 10—12 m im Geviert und ca. 5—7 m tief, ausgeschachtet, die den unbedeckt bleibenden Hof des anzulegenden „Hauses" bilden. Das ausgegrabene Erdreich wird als kleiner Wall am oberen Rand des Hofes aufgeschichtet, um das Herabfließen des Regenwassers von der Erdoberfläche zu verhindern. Bei manchen Häusern ist der obere Rand noch durch eine Mauer aus einfach aufgeschichteten Steinen verstärkt, um ein Abbröckeln zu verhüten. Man gelangt vom Hof auf die Oberfläche durch einen schräg ansteigenden Gang, der meist einen Knick hat, und dessen Mündung oben vielfach durch einen kleinen Überbau geschützt ist, um so das Eindringen des Regens zu verhüten. Denn wenn dieser ungehindert in den schrägen Gang fließen könnte, würde der Zugang bald schlüpfrig und unbrauchbar werden. In die Wände des Hofes sind dann einzelne Kammern eingearbeitet, meist 2—4 auf jeder Seite. Sie haben gewöhnlich die Größe eines mittleren Zimmers und sind ca. 4—5 m lang, 3 m breit und 2V2—3 m hoch. Sie dienen den verschiedensten Zwecken: als Wohnräume, Küche, Vorratskammern und auch als Ställe für das Vieh. Diese Anlagen sind „Einfamilien-Häuser". Nur bei den Armen bewohnen 2—3 Familien ein Gehöft zusammen. Doch gibt es auch Leute, die mehrere „Häuser" besitzen, eins davon bewohnen sie selber, die anderen vermieten sie. Die Miete betrug damals für ein Haus von ca. 10 Kammern und Zubehör monatlich einen Medjidje (damals c. 3V2 Mk.). Zu bemerken wäre noch, daß der Hof so angelegt ist, daß seine Mitte ein wenig tiefer ist als die Ränder, wodurch sich dort eine wenig saubere Pfütze bildet Einen Senkbrunnen, der diesem Umstand abhelfen würde, sah ich nur ein einziges Mal. Das für den Haushalt nötige Wasser wird in Zisternen aufgefangen. Blickt man von dem kleinen Wall, der die Höfe umgibt, in diese hinab, so flüchten sich, wenigstens in Kassr-Garian, das von Mohamedanern bewohnt ist, die Frauen mit gräßlichem Geschrei und Gekeif in die Kammern. Es gilt als unschicklich einen solchen Wall zu besteigen; er bildet die Grenze, bis zu der man gehen darf. Aus diesem Grunde haben auch die Eingänge den vorhin erwähnten Knick: man verhindert, dadurch den Einblick in den Hof. Wir können hier nicht auf die interessanten aber rein-wissenschaftlichen Fragen eingehen, wie dieser Wohntyp entstanden, woher er beeinflußt U3 8