Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Jüdische Höhlenbewohner in Tripoli
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 112 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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E. Brandenburg Nach einiger Zeit wurde ich wieder zum Wali gebeten. Er frag mich, ob ich nicht ein Felsengrab auf dem Hochplateau des Garian, das man kürzlich entdeckte und ihm gemeldet hätte, in sein Museum bringen könne? Im ersten Augenblick war ich recht verblüfft Denn wie soll man einen Raum von der Größe eines mittleren Zimmers, der in den lebenden Fels hineingearbeitet ist, wohl transportieren? Etwa gleich den ganzen Berg? Doch ich faßte mich und überlegte schnell, daß diese mangelnde Sachkenntnis und Naivität des Pascha mir die langersehnte Gelegenheit böte, endlich den Garian und seine Höhlenbewohner zu sehen. Über das Grab> oder besser gesagt die Grabkammer, selbst war ich bereits orientiert. Ein im Lande mit Bändern, Stoffen herumziehender eingeborener jüdischer Händler hatte mir darüber berichtet, und hatte mir, wenn auch etwas ungenau, eine im Grab befindliche Inschrift kopiert, aus der ich sofort ersah, daß das Grab der späteren Kaiserzeit angehörte und so wohl keinen großen wissenschaftlichen Wert haben könne. Ich sagte also zu allen Wünschen des Wali Ja und Amen und dachte: Nur erst einmal dort sein und die mich interessierenden Sachen gesehen haben! Das weitere wird sich dann schon finden! Ich trieb zur Eile, damit der Wali nicht etwa die Lust verlöre, oder sonst etwas dazwischen käme, und drei Tage später brach ich auf. Die Reise vollzog sich unter dem Schutz des obersten Polizeibeamten und mehr als 3o berittener Gendarmen, obgleich ein Stachelschwein und zwei fliehende Gazellen die einzigen Gefahren waren, die uns bedrohten. Nach einem ziemlich mühseligen dreitägigen Marsch langten wir wohlbehalten in Kassr-Garian, dem Hauptort des ganzen Gebietes an, der, ca. iooo Meter über dem Meer, aus einigen hundert Gehöften mit mehr als 4ooo Einwohnern besteht Zuerst erblickt man von dem ganzen Ort nur die kleine weißgetünchte Grabkapelle eines Marabut, dann das „Schloß", eine mittelalterlich arabische Zitadelle, die Schule und noch 2—3 andere kleine Baulichkeiten, dazwischen Gärten mit Barschbäumen und Oliven, bis man dann plötzlich in ein 5—6 Meter tiefes Loch sieht, auf dessen Grund es von Menschen und Vieh wimmelt: das erste „Haus" von Garian. Der Eindruck ist höchst überraschend; ich möchte daher kurz die Gegend und die Art der Bewohner, die dort leben, beschreiben. Es befinden sich im Garian mehrere ausschließlich von Juden bewohnte Ortschaften, die ich besuchte. Das Gariangebirge besteht weniger aus einzelnen Bergspitzen, sondern ist ein z. T. ebenes, z. T. leicht gewelltes Hochplateau, auf welchem sich in 112