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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 111

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Jüdische Höhlenbewohner in Tripoli
Date
1925-04-01
Page
111 (sequence 2)
Language
German
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E. Brandenburg, Jüdische Höhlenbewohner dreimal längere Zeit in Tripoli gewesen war, ließ es nicht auffällig erscheinen, daß ich ein Haus mietete. Denn die Hotelverhältnisse dort waren und sind auf die Dauer unerträglich. So wartete ich geduldig, wie die Spinne im Netz, der Dinge die da kommen sollten. Und sie kamen! — Mein Kismet war mir günstig! Eines schönen Nachmittags schickte mir der Wali (= Generalgouverneur) von Tripolitanien, S. Exzellenz Hassan-Hüssni- Pascha seinen Flügeladjutanten, hoch zu Roß, nebst einem Wagen und ließ mich zu sich in die alte Zitadelle, wo er hauste, bitten. Nach türkischer Manier verging erst eine halbe Stunde mit Kaffeetrinken, Zigarettenrauchen und ebenso tiefsinnigen wie eigenartigen Bemerkungen, z. B., daß es vor drei Tagen geregnet habe und seit einigen Stunden wieder die Sonne scheine, usw. Ich dachte immer: was will der Mann nur von Dir?! Und schließlich kam es: Der Wali: „Mein Herr! Kennen Sie ein Museum?" Ich (hatte Mühe, nicht zu lachen, denn grade einem Archäologen diese Frage stellen, war eigentlich etwas widersinnig!): „Ja Pascha, ich kenne einige Museen." W.: „Hat in Europa jede Stadt ein Museum?" Ich: „Nicht grade jede, aber alle größeren und auch manche von den kleinen." W.: „Muß eine größere Stadt ein Museum haben?" Ich: „Sie muß nicht grade, aber es gereicht ihr zu großer Ehre." W. (halb verlegen lächelnd, wie ein Kind das gern etwas haben möchte): „Können Sie mir schnell ein Museum machen?" Ich (mit großer Mühe ernst bleibend): „Wie schnell meinen Exzellenz?" W.: „In zwei Wochen muß ich nach Stambul um S. Majestät Bericht zu erstatten; da wäre es doch schön, wenn ich auch über das Museum berichten könnte!" Ich hatte Lust zu lachen, dachte aber, es könne etwas nützliches für meine Pläne herauskommen. Ich schlug dem Wali deshalb vor, immerhin anzufangen; besprach mit ihm den Entwurf eines Antiquitäten-Gesetzes mit Anzeige- und Ablieferungspflicht von Funden usw., das dann auch zwei Tage darauf veröffentlicht wurde. In der nächsten Zeit requirierte ich einige Räume des „Cercle Militaire", ließ dort verschiedene Statuen und Reste von solchen, die im „Jardin Municipal" und sonst irgendwo herum standen und lagen, unterbringen. Kurzum, als der Wali nach einmonatlicher Abwesenheit wieder in Tripoli ankam, freute er sich wie ein Kind über sein „Museum", das übrigens noch heute besteht \\\

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