Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Geschlechtlichkeit und Sittlichkeit
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 92 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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G. Loeffler Jüngling, — von ihm muß vorwiegend die Rede sein, — den Versuchungen leichtsinniger Frauen, den Aufreizungen sinnbetörender Schaustellungen und Schriften preisgegeben. In diesem Lebensstadium, das im allgemeinen in die Zeitspanne zwischen dem 17. und 20. Lebensjahre fällt, bei in die Fremde Ziehenden allenfalls kurz zuvor, kann doch nur die Fähigkeit zur Autonomie vor Leid der Seele und des Körpers bewahren und sittliche Haltung im Geschlechtlichen gewährleisten. Darum ist wohl unmittelbar vor diesem Zeitpunkte Aufklärung über das Wesen der Geschlechtskrankheiten und die mit ihnen möglicherweise verquickten dauernden Schädigungen "des eigenen Leibes wie des der Nachfahren am Platze: doch nur, — um auf die dem Schwachen dräuenden Gefahren hinzuweisen, nicht, um dem Triebe Gefühl der Sicherheit zu schaffen. Deshalb sollte, wenn irgend zu ermöglichen, der Aufklärende und der das sittliche Prinzip Hochhaltende in einer Person zu den jungen Menschen sprechen, sollte darum in gleichem Ausmaße über die letzten sittlichen Konsequenzen wie über die hygienische Seite im geschlechtlichen Bereiche Bescheid wissen. Es erscheint mir pädagogisch verfehlt, weil verwirrend und das sittliche Gewissen einlullend, wenn man in den Stunden höchster Entscheidung einmal nur die gesundheitlichen Fragen, ein ander Mal nur die sittlichen vor den durchschnittlichen jungen Menschen aufrollt Ausgang und Ziel muß in diesem Stadium die Grundlegung letzter sittlicher Erkenntnis und Auslösung folgerichtigen sittlichen Wpilens in oben dargelegtem Sinne sein. Obenan wird daher bei Auseinandersetzung mit den Fragenden und Suchenden der Satz zu stellen sein: Geschlechtliche Enthaltsamkeit bis zur Ehe (zeitweilige Abstinenz) muß dem Sittlichen selbst gekürtes Gesetz sein. Und in gleichzeitiger Erörterung der Hygiene des Geschlechtlichen wird hinzuzufügen sein: die Reinheit bis zur Ehe ist — nach dem Urteil namhafter Sexualforscher (Gruber, Krafft-Ebing u. a.) — dem körperlich und geistig Gesunden ohne Schaden für seine eigene Gesundheit bis zum 3o. Jahre, wenn es sein muß, auch noch darüber hinaus sehr wohl möglich. Die Frühehe als erhebliche Erleichterung im Kampfe mit dem Verlangen des Triebes ist heute aus wirtschaftlichen Gründen noch mehr als früher erschwert Die immerhin an Zahl beachtlichen frühen Bündnisse von Menschen aus Kreisen der Jugendbewegung beweisen aber die Möglichkeit für den entschlossenen Willen. Zudem schließt das Streben nach einer neuen, sittlichen Weltordnung eine Abnahme des Anspruchs — nicht auf Freude, wohl aber auf materielle Güter in sich, damit einen gewissen Ausgleich für die ernste 92