Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Geschlechtlichkeit und Sittlichkeit
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 90 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895453-2895743--00107-2895856- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
G. Loeffler dem sich nicht Erheiterung, sondern ernstlicher Forscherdrang nach Neuland im Leben verbirgt Eltern eignen sich für diese Aufgabe nur selten und nur, wenn zwischen Vater und Sohn, zwischen Mutter und Tochter über das Natur-Verhältnis hinaus das der Freundschaft besteht Und auch dann wird ein durchaus zu achtendes und auch in Zukunft zu wahrendes Gefühl der „Scham" der Sprache der Eltern Hemmung bereiten. Ein an innerer und äußerer Erfahrung reifer Freund wird sich hier am Besten bewähren können. Die Führer der Jugendbewegungsbünde, so sehr sie auch Liebe, Freundschaft, Achtung der Jugendlichen wecken, und so sehr sie auch als Bereiter einer neuen, wahrhaft sittlichen Welt berufen sind, — eignen sich hierfür zumeist nicht, da sie selbst noch Suchende und Zweifelnde, nicht „Reife" sind. So wenig angebracht ich hier den Schularzt und die durch ihn gebrachte Massen-Aufklärung erachte, so sehr halte ich — nach meinen persönlichen Erfahrungen als Nehmender und später Gebender — den befreundeten Hausarzt für berufen, den Fragen junger Menschen nach den Rätseln des Geschlechtlichen und der Unruhe durch die ersten Erregungen des Geschlechtstriebs zu antworten. Er hat auch die beste Eignung, das rechte Wort zu finden, wenn der Trieb gebieterischer wird und ausschweifend zu der die sittliche Würde des Selbst mindernden Onanie reizt Ihre Behebung ist recht oft und gerade bei empfindsamen, nervös veranlagten Kindern ungeheuer schwer. Individualhygienische Maßnahmen zur Kräftigung der Nerven und Abhärtung sind in der Regel nur Hilfsmittel, während das eigentliche Heilmittel in der Weckung des Willens zur Überwindung, demnach in der WiZZens-Schulung überhaupt beruht Als Impuls für diesen Willensvorgang kann sich in religiös gearteten Naturen der Hinweis auf die Warnungen der Religionen vor dem Übel der Onanie wirksam erweisen, noch mehr aber in der Regel der auch dem Jugendlichen schon durchaus eingängige Hinweis auf die gesundheitlichen Schädigungen durch Onanie. Es ist gewiß wissenschaftlich und sittlich falsch und psychologisch höchst bedenklich, die schädlichen Folgen der „Selbstbefleckung" zu übertreiben und durch die Androhung von Rückenmarksleiden abschrecken zu wollen; aber ebenso falsch ist's nach meiner ärztlichen und sittlichen Überzeugung, die Onanie als harmlose und gewissermaßen naturnotwendige Äußerung des Geschlechtstriebs darzutun, wie es in neuerer Zeit unter dem Einfluß der Freud'schen Lehre gerade in Schriften für junge Menschen da und dort geschieht (Ich denke vor allem an Hans Blühers in diesem Belang oft recht 90