Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Geschlechtlichkeit und Sittlichkeit
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 88 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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G. Loeffler irgendeines Menschen führt Diese Erkenntnis der Wesenszüge des Sittlichen ist seit Immanuel Kants tief eindringendem Denken und Formen als unbestreitbare Wahrheit von allen aus letzter sittlicher, auf die Allheit bezogener Verantwortung Wirkenden anerkannt und betätigt Einer der lebensvollsten Erneuerer, an manchen Stellen auch Weiterführer Kant'scher Lehre vom Sittlichen war in unseren Tagen der Deutschjude Hermann Cohen. Er fand für die Einung von Eros und Ethos, von Geschlechtstrieb und Sittlichkeit die für meine Einsicht einstweilen bündigste Formel. Ihm gilt die Liebe — gleich Freud und allen Naturwissenschaftlern — als zunächst triebentsprossen und deshalb triebhaft Diese „Liebe" wird indessen versittlicht durch die ihr sich zugesellende Tugend der Treue. Wahrhafte Treue in der Liebe aber ist nach Cohens unbestechlichem, tiefgeistigem Urteil nur möglich — in der Ehe oder durch sie. Wenn Schopenhauer als „Metaphysik der Gcschlechtsliebe" die „Zusammensetzung der nächsten Generation" sieht, so liegt auch in seinen Worten nicht nur Vertiefung unserer Erkenntnis umschlossen, sondern für jeden zur Welt der Sittlichkeit Gewillten auch höchstes sittliches Gebot Die Art und Weise, wie diese Erkenntnisse und ihre oben erfolgte Grundlegung bei der Lebensgestaltung künftiger Geschlechter, will sagen: in der Pädagogik zu nützen seien, liegt wohl auf der Hand. Menschenbildung bedeute in ganz anderem Ausmaße und in ganz anderer Planmäßigkeit als bislang — Ausbildung sittlicher Persönlichkeiten. Wie dies im Einzelnen geschehen kann, wie man die jungen Menschen zu Willensübungen anhält, wie zu kleinen Opfern und Entbehrungen, um der Ichsucht zu steuern und dem Willen die Herrschaft über die Willkür der Sinne zu schaffen, — dies bat F. W. Förster im meisterlicher Weise in seinen Schriften dargetan. Ich gehe mit ihm auch einig in der hohen Wertung, die er dem Religiösen für die Bereitung der Welt des Sittlichen beimißt, finde es nur immer wieder verwunderlich, wie ein Mensch seiner seelischen Weite nur im Christentum jene versitllichende Kraft sieht, die ohne Zweifel auch dem jüdischen jungen Menschen aus der religiösen Ethik seiner Gemeinschaft zuwächst (Ich will als Beleg nur ein Wort des um i2 5o lebenden R. Moses b. Jakob aus Concy bringen. Er meint: „Wer noch ein Neuling ist in der Gottesfurcht, sollte täglich, wenn er aufsteht, sprechen: „Heute will ich ein treuer Diener des Allmächtigen sein, will mich hüten vor Zorn, Lüge, Haß, Zank, Neid, will keine Frauen anblicken und will denen vergeben, die mich kränken". Man bedenke 3$