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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 85

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Geschlechtlichkeit und Sittlichkeit
Date
1925-04-01
Page
85 (sequence 2)
Language
German
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G. Loeffler, Geschlechtlichkeit und Sittlichkeit der Art im Einzelnen, also an „eudämonistische" Instinkte und Regungen, nur ausnahmsweise an die ausgeprägt sittlichen Kräfte. Eine kleine Schar von Menschen vorwiegend aus religiös-kirchlichen Kreisen wünschte und versuchte die Aufrüttelung der sittlichen Gewissen, trat aber nur selten in Erscheinung und erreichte darum auch nicht das Ohr der Masse. Wer die menschliche Psyche kennt und weiß, wie leicht die Angst vor Krankheit durch die aufbegehrende Sprache des Geschlechtstriebs zum Schweigen gebracht wird, konnte sich über das klägliche. Ergebnis der seitherigen Kampfesweise nicht wundern. Bei der diesjährigen Hauptversammlung der D. G. B. G. in Oberhof konnte man auch aus dem Munde von Verfechtern der seitherigen Arbeitsweise das Eingeständnis bitterer Enttäuschung und ernster Sorge ob der immer verheerender um sich greifenden „Lustseuche" vernehmen. Die Zeit wäre also, dünkt mich, überreif für den längst fälligen Versuch, durch Versittlichung der Massen, insonderheit durch Weckung und Pflege des sexualethischen Verantworüichkeits-Gefühls nicht nur Keimverderbnis, Nervenleiden und körperliche Entartung weiter Volkskreise in deutschen Landen zu mindern, sondern darüber hinaus aus Hemmungs- und Zuchtlosigkeit der Triebe, im gleißnerischen Gewände großspuriger Zivilisation, die Wandlung zu Zucht und edler Ordnung wahrer Kultur herbeizuführen. Man muß sich darüber klar sein, daß solche Wandlung schon mehr eine Revolutionierung denn eine ruhig-stetige Entwicklung der Geister heischt Und schaut man um sich, so möchte man fast verzweifeln an der Größe und Schwere der Aufgabe. Denn eine Läuterung und Veredelung der Beziehung von Mann und Weib wird nur einer Menschheit möglich sein, die die wuchtende Ganzheit des Gesetzes der Sittlichkeit auf ihre Schultern nimmt Diese oben geforderte, zweite bedeutsame Erkenntnis wird in ihrer Entfaltung durch die Stumpfheit, geistige Beziehungslosigkeit und schamlose Lüsternheit der „Masse" behindert, nicht minder aber, — und das erscheint mir fast bedenklicher, — durch zwei geistige Strömungen im jungen Deutschland, — Strömungen, deren Träger teilweise führerische Menschen mit der Kraft eigener Überzeugung sind. Die Einen verkünden aus Liebe zu ihrem Volke und dessen vermeintlicher blutmäßiger Eigenart und Eigengesetzlichkeit die Heiligkeit des Triebes. Ich hörte selbst aus dem Munde eines Führers „völkischer Jugend" das öffentlich gesprochene, kühne Wort: „Wenn das Leben meines Volkes den Mord heischt, so kann der überlieferte Satz »Du sollst nicht morden« für mich und mein Volk nicht die Gültigkeit eines sittlichen Gebotes haben". Die im gleichen 85

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