Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Geschlechtlichkeit und Sittlichkeit
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 84 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895453-2895743--00101-2895850- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
GesdileAtlidikeit und Sittlichkeit. Von Gustav Löffler. Wenn in dem gegenwärtigen, wirren Zustande von Geschlechts-Sitten und Geschlechts-Sittlichkeit Worte, vom Wunsche nach Wandlung geboren, nicht nur verflatternde und verhallende Rede bleiben sollen, — so ist's not, zuvörderst auf eine dreifache Erkenntnis zu drängen und daraus die Folgerungen für neue Gestaltungen praktischer Art zu ziehen. Es gilt, einzusehen: daß die seitherige Art, der Verwilderung im geschlechtlichen Leben und der daraus erwachsenden schweren Schädigung der Volks-Gesundheit zu begegnen, verfehlt weil falsch war; zum andern: daß die sittlichen Fragen und Forderungen, die aus den Beziehungen der Geschlechter sich ergeben, einen untrennbaren Teil der allgemeinen Lehre, des allgemeinen Lebens vom Sittlichen bedeuten; und schließlich: daß wir vor ungeheuren Entscheidungen stehen, die vom Einzelnen mit noch so klarer Erkenntnis und noch so gutem Willen nicht zu treffen sind, wenn nicht die Allgemeinheit sie endlich als die ihren erkennt, kurzum: wenn man über der individuellen Seite der Angelegenheit die soziale, besser noch: soziologische Bedingtheit übersieht Es ist bezeichnend für die seither gebräuchliche Auffassung von der zweckmäßigsten Bekämpfungsweise der geschlechtlichen Ausschweifungen und der durch sie bedingten Gefahren, — daß man seitens der Verantwortlichen im Staate die Austragung dieses Kampfes der „Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten" im Wesentlichen überließ. Die Kampfesmittel dieser verantwortungsbewußten, großenteils aus Ärzten bestehenden Körperschaft waren Aufklärung über Wesen der Geschlechtskrankheiten, der Möglichkeiten ihrer Verhütung und Heilung. Auch die Aufklärungs-Vorträge, die man den jungen Menschen vor dem Abgange aus der obersten Schulklasse hielt, dürften in der Hauptsache auf Anregung der „D. G. B. G." zurückzuführen sein. Ihr Wirken wandte sich an den Willen zur Gesundheit und Erhaltung 84