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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 66

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Glaube und Überzeugung
Date
1925-04-01
Page
66 (sequence 12)
Language
German
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R. Koch stand von größerer Dauer. Sie allein vermag das, und was man so gewöhnlich Ehre nennt, ist auch nicht allem Schwanken entrückt Überzeugung von beträchtlicher Dauer ist an etwas von der Art der Ehre gebunden. Wenn man sich das höchste dieser Art vorstellt, schafft es auch aus seiner eigenen Natur heraus keinen Zustand von unbedingter Dauer, sondern es gehört dazu, daß man sich dieser Ehre verpflichtet fühlen will Mit dem Erlahmen dieses Willens zerbricht die Ehre, die dauernde Überzeugung, das die Grenze dieser Überzeugung ausfüllende Wissen. So ergibt sich eine Gleichung zwischen Wissen und Wollen, zwischen scheinbar Unvergleichbarem. Der Versuch aus dem Gebiet der Überzeugung ein Gebiet festen Wissens herauszulösen ist selbstverständlich keine Unsinnigkeit gewesen. Sonst hatten sich die besten Geister nicht immer wieder an diesem Unternehmen versucht Die Überzeugung hatte gerade das nicht, was man am ersten von ihr hätte erwarten sollen, die Gewißheit, das gleichbleibende Ruhen in sich selber. Sie brauchte immer eine Anstrengung, ein Wollen. Im katholischen Denken gibt es einen Zustand gleichbleibender Ruhe, die Gnade. Aber sie umfaßt außer Überzeugung noch andere Bestandteile, ein Beglücktsein und ein Besitzen des wahren und einzigen Zieles des Willens. Die Wahrheit, die die Gnade gibt, ist kein erweitertes Wissen allein, sondern sie erfaßt den Menschen in seinem ganzen Wesen, von dem das Wissen wollen nur ein Teil ist Auch dieser Zustand wird nicht durch einfaches Zuwarten erreicht, sondern er ist unabhängig von jeder Theorie ein Ziel, das erreicht werden mußte. Alles weist darauf hin, daß die Überzeugung nicht einfach einen Kern besitzt, der Wissen ist, und daß um ihn herum der Glaube Wissensartiges ausbreitet, dessen man so gewiß ist wie des Wissens, das nur mit anderen Erkenntnismitteln erworben ist, das nicht mit Erfahrung und Schlußfolgern beweisbar ist All das gibt es auch. Aber all das füllt nicht die Überzeugung aus, sondern sie bleibt zuletzt unser ganzes Wollen und Sein. Damit bedeutet das Wort Glauben heute für uns etwas anderes als ein Fürwahrhalten ohne sicheres Wissen, auch etwas anderes als ein Wünschen und für möglich halten, etwas anderes als der Überzeugung oder Aussage eines anderen vertrauen. Je lebendiger wir sind, um so reicher ist unsere Überzeugung, um so weiter führt sie uns als das Wissen allein. Diese unsere Überzeugung ist zunächst abhängig von unserer Natur. Sie ist anders, wenn wir gesund und kräftig sind, und wieder anders, wenn wir krank und schwach sind. Sie hängt ab von" dem Bau unseres Gehirnes und aller Organe, 66

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