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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Glaube und Überzeugung
Date
1925-04-01
Page
67 (sequence 13)
Language
German
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Glaube und Überzeugung die es beeinflussen. Sie hängt weiter ab von Speise und Trank, Ruhe und Arbeit, Luft, Wärme, Kälte, Regen und Sonnenschein, von allem was vergiftend und infizierend, nützend und schädigend auf uns einwirkt Sie ist aber nicht nur von unserer Natur und der Umwelt abhängig, sondern auch von unserm freien Wollen. Mit unserm Willen erzeugen wir Überzeugung. Damif ist sie abhängig von unserm letzten und höchsten Wollen, und diese ist wieder nichts anderes als das Wählen, Erkennen und Besitzen Gottes, wie man dieses Wirkliche in der traditionellen Sprache genannt hat, wie man es heute auch noch nennen kann, wenn man will, welchen Sprachgebrauch man aber auch, ohne daß davon etwas anders wird, aufgeben kann. Gibt man das Wort auf, so hat man mit dem Worte seinen Gott des letzten Bildhaften entkleidet Der Herr bleibt er doch, denn man hat von allem möglichen Wollen das höchste und stärkste gewählt. Heute wie immer gibt es keine Überzeugung ohne den Glauben an einen Gott Daß man ihn nicht einmal so zu nennen braucht, daß man ganz ohne dieses Wort auskommen kann, dem heute etwas Götzenhaftes innewohnt, wurde oben gesagt Man kann leicht zeigen, daß dies Wesen der Welt nie ausgesetzt hat, daß beweisbares Wissen und Überzeugung als reine Erkenntnis als nicht ins Leben eingeschlossene Eigenschaft niemals bestanden, daß es sich nur um falsche Theorien und um falsche Götter gehandelt hat Es scheint mir, als ob viele Leser den Einwand machen wurden, daß ich ohne Grund doch zwei ganz verschiedene Seiten unseres Seins zusammengeworfen hätte, unser sicheres in der Zeit wachsendes, auch in manchen Zeiten verfallendes Wissen und ein allgemein menschliches Gefühl. Dieser Einwand beruht aber nur auf einer Verfassung, in welche die meisten von uns die Mühsal des Sichzurechtfindens hineingeführt hat Alles Wissen auch das von den Fallgesetzen, von der Schichtung der Gesteine, dem Bau der Tiere, führte mit Notwendigkeit zu Fragen, auf die es keine andere Antwort gibt, als eine, die sowohl der dem Wissen entsprungenen Frage, als dem suchenden Gefühl antwortet Es gibt keine Mechanik, die ohne alle Beziehung zur Theologie abgehandelt werden könnte, es gibt nur ein Haltmachen an einer Stelle, an der dieses Schicksal des Weiterfragens klar wird. Die Kenntnisse werden vom Weiterfragen nicht schlechter, die Fähigkeiten, die auf ihnen beruhen, nicht dürftiger, nur die Überzeugung, daß wir ohne Unterodnung, ohne freiwilliges dem Höchsten und Stärksten Folgen im Leben stehen, bricht vom Weiterfragen zusammen. Es ist ganz falsch, daß irgendein Wissensgebiet 67 5*

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