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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 60

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Glaube und Überzeugung
Date
1925-04-01
Page
60 (sequence 6)
Language
German
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R. Koch beiten hinführen, wirklich geschätzt In den Katalogen der Antiquare haben die Handbücher nur dann hohe Preise, wenn sie die neuesten auf ihrem Gebiete sind, und das Erscheinen neuerer nicht zu erwarten ist Auch alle Zeitschriften, die zusammenfassende Berichte bringen, wie die medizinischen Wochenschriften sind auch in vollständigen Reihen fast wertlos. Hingegen haben alle Zeitschriften und Archive, die nachprüfbare Versuchsergebnisse bringen, und alle bibliographischen Werke, die zu solchen Arbeiten hinführen, auch wenn sie älter sind, außerordentlich hohe Preise. Alle Bücher, die geschrieben werden, um dem sogenannten Laien wissenschaftliche Ergebnisse zu berichten, bitten bei ihrem Erscheinen um Entschuldigung, Bücher und Reihen von Büchelchen und Broschüren, die Wissen unter den verschiedenen Gelehrten vermitteln wollen, decken im ersten Satze die Karlen auf und sagen, um ehrliches Spiel zu treiben, daß ihre Sache natürlich nicht zu machen sei. All diese Versuche sind von den Wissenschaftlern eigentlich innerlich aufgegeben, soweit es sich um die Verwirklichung der Absicht handelt, das Fachwissen vieler einzelner einem einzelnen als Gesamt wissen zu übermitteln. Hingegen sind sie noch imstande einem einzelnen, der sich in ein ihm neues Gebiet einarbeiten will, den Anfang des Weges zu weisen. Sie erreichen also in Wirklichkeit gerade das Gegenteil von dem, was sie zu erreichen scheinen, sie führen nicht zu Gesamtwissen, sondern zum Neuerwerb von vereinsamtem beziehungslosem Fachwissen. So kann man von einem tragischen Schicksal des Wissens reden. Zwangsläufig verliert es mehr and mehr von seiner ursprünglichen Natur, nach der es dem Allgemeinen und Vollständigen zustrebt oder Vorbedingung eines Könnens sein will. Wenn der Wissen Suchende und Schaffende sich nicht entschließen kann, die ursprüngliche Verknüpfung mit dem Leben zu lösen, verfällt er mit dem Leben. Es entstehen bei ihm Wünsche, Bedürfnisse, Bereitschaften, die der Ausdruck dafür sind, daß seine Eigenschaft als Wissenschaftler sein Wesen nicht mehr ausfüllt, und es kann dahin kommen, daß er zum Träger geistiger Bestände wird, die mit der ursprünglichen Welt unvereinbar sind. Das wissenschaftliche Wissen ist aus der Lebenslinie nun herausgeschleudert, und dieser Tatbestand kann uns klar zum Bewußtsein kommen oder der Seele verheimlicht werden. Bleibt er verheimlicht, so entsteht das, was man Gelehrtenmelancholie nennt Der Zustand der Spannung kann dann nachträglich durch eine intellektuelle Lösung scheinbar gelöst werden. Die Scheinlösungen bestehen mehr oder minder alle darin, daß man der Welt des wissenschaftlichen Wissens eine andere 60

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