Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Glaube und Überzeugung
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 59 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Glaube und Oberzeugung arbeitende Wissenschaft erfolgreicher sein werde. Hingegen kann man feststellen, daß die große Zeit der Wissenschaft enge, wenn auch keineswegs einfache, Beziehungen zu der Zeit hat, in der das Wissen, wie sie es meint, den einzigen legitimen Anteil der Überzeugung auch für die Menschen bildet, die an der wissenschaftlichen Arbeit nicht unmittelbar beteiligt waren. Man kann weiter feststellen, daß die Wissenschaft mit dieser Methode, die natürlich nie rein durchgeführt werden konnte, sich selbst eine wachsende Hemmung schuf, die dem natürlichen Ziel des Wissenschaftlers, wie man allmählich zeitgemäßer den Mann nannte, der erst Gelehrter und später Forscher hieß, dem Ziel, möglichst genau alles zu wissen, die ganze Überzeugung mit Wissen anzufüllen und alle anderen Bestandteile der Überzeugung zu verdrängen, entgegenströmte So kam es dazu, daß gerade der Wissenschaftlichste im engsten Umkreise ihm selber rechtsgültigen Bescheid wußte, daß er schließlich in seinem echten Wissen nicht nur die Verbindung mit dem Wissen der andern, die er freiwillig durchschnitten, verloren hatte, sondern, daß er auch gar keine Möglichkeit mehr sehen konnte, sein Wissen einem andern so zu vermitteln, daß es noch denselben Wert behielt, den es ihm selber hatte. Statt allgemeinem Wissen vom Allgemeinen, entstand abgesondertes Wissen vom Abgesonderten. Es entstand tiefste Einsamkeit des einzelnen, er war in eine nur ihm eigentümliche Welt geraten. Die Absicht blieb, aus diesen vielen einzelnen eine Allgemeinheit zusammenzufügen. Man dachte sie sich um so reicher und wertvoller, je mehr die Auflösung unter die Zuständigkeit möglichst vieler Zuständiger gelungen war. Aber die Zusammenfügung versagte aus innerer Notwendigkeit, denn sie war auf einen Leim angewiesen, der sauer geworden war, auf das Glauben im schlichtesten alltäglichsten Sinne des Wortes. Gerade das war doch als Mittel, Wissen zu erwerben, um alle Gültigkeit gebracht worden. Man machte alle denkbaren Versuche, um über diese Schwierigkeit hinwegzukommen. Es taten sich viele zusammen, um über größere Gebiete gemeinsame Handbücher zu schreiben. Das Wissen, das der einzelne Mitarbeiter schon aus den Abschnitten gewinnen konnte, die sein Fachgenosse geschrieben hatte, galt ihm selber nicht als wertvolles Wissen, und das nur aus diesen Büchern wissenaufnehmende nicht selbständig arbeitende Publikum, wäre niemals als im Besitze wertvollen Wissens anerkannt worden. In der Herausgabe eines solchen Werkes lag ein Versprechen, an dessen Einlösbarkeit die Verfasser selbst nicht glauben konnten. Tatsächlich werden an diesen Werken auch meist nur die Literaturzusammenstellungen, die zu den nachprüfbaren Äußerungen der wissenschaftlichen Ar- 59