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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 56

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Glaube und Überzeugung
Date
1925-04-01
Page
56 (sequence 2)
Language
German
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R. Koch das Leben genießt, lernt und studiert, später in eine Stellung kommt, die ihm Ansehen und Macht gibt, der zudem wirklich großen Reichtum und zu allem noch echte allgemeine Anerkennung erwirbt, wird fast immer den Glauben der Väter verlieren. Unter den wenigen, die ihn anscheinend behalten, sind viele, die in Wirklichkeit gewohnte Gebräuche deshalb nicht ablegen, weil sie eine abergläubische Angst haben, daß sie damit das Geheimnis ihres Erfolges verlieren. Man hat auch diese Angst in echte Grottesfurcht zu verdrehen gesucht, weil eben der Talisman in diesem Falle doch Gott sei. Man könnte aber diesen Talisman mit irgendeinem anderen Glückszeichen vertauschen, ohne daß etwas an der Art der Angst geändert wäre. Ganz Seltene, die unter geänderten Umständen so im Glauben der Väter bleiben, wie die Väter darin waren, mag es geben, sie mögen auch auf dem wahren Wege sein, mindestens gibt es eine große jüdische Welt, denen Wissen und Freiheit den Glauben genommen hat und noch nehmen wird. Für den Kreis, in dem dieser Glauben verloren ist, besteht an Stelle des Besitzes der Wille zum Judentum, und soweit das Judentum Religion ist, ist es entweder trotz des Willens verloren, oder es gilt für sie das Wort Glauben in einem anderen Sinn. Wissen kann man auch die Grundtatsachen des Judentums nicht Da dem so ist, bliebe es also bei einem Wissen, das niemals zu diesen Grundtatsachen führt, die somit verloren wären, und im Widerspruch zu dem Gewußten bestände außerdem ein Wille, eine Sehnsucht, welche der Grund und Ursprung vieles Guten und Schönen sein könnte, aber nie mehr sein könnte als Wille und Sehnsucht, weil ihr der Grund der Wahrheit fehlen müßte. Alles, was wir wissen können, führt nicht zu Gott, sondern in eine Welt, in der fremde Macht und eigener Wille die Gründe des Handelns sind. Als die stärkste Macht müßte Gott erscheinen. Das kann er nur, indem er erscheint, herrscht, befiehlt, belohnt und bestraft. Nur auf diese echten Beweismittel bin wurde von den Juden der mosaischen Zeit der Glaube an Gott verlangt, der sich von einem Wissen von Gott nicht unterscheidet Solange der Bericht davon die Zeugniskraft eines anderen untrüglichen Berichtes besaß, änderte sich daran nichts Wesentliches. Der Bericht verlor aber mehr und mehr an Glaubwürdigkeit, weil er Vorkommnisse berichtete, die nach allem sicher Gewußten sich niemals zugetragen haben konnten. Das Wissen hat sich, in uns bewußter Zeit, gründlich gewandelt Solange es so beschaffen war, daß es den Inhalt des biblischen Berichtes ausschloß, hat irgendetwas, was man Glauben nennen konnte, dem Wissen keinen anderen Teil der Überzeugung hinzugefügt, der ebenso echt war, wie das Wissen selber. Dieser andere Teil war 56

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