Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 50 (sequence 16)
- Language
- German
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B. Jakob alte Welt beherrschten und über seinen Boden hinweg in — häufiger feindlichem als freundlichem — Verkehr mit einander standen: Ägypten und Babylonien. Die Thora selbst bezeugt dies mit aller Deutlichkeit, indem sie feststellt, daß der Stammvater Israels aus Babylonien und das Volk unter Mose aus Ägypten gekommen ist In beiden Ländern war längst eine hohe sowohl materielle als geistige Kultur zur Blute gekommen. Es erscheint unmöglich, daß Israel davon unberührt geblieben sei, und die Entzifferung der Denkmäler, die sich in jenen Ländern erhalten haben und besonders aus dem Boden Babyloniens ausgegraben worden sind, lehren auf das Sprechendste das Gegenteil. Wir lernen z. B. ein mindestens ein halbes Jahrtausend vor Mose verfaßtes Gesetzbuch Babyloniens kennen (den Kodex des Königs Hammurapi), desgleichen ein mit Mose etwa gleichzeitiges assyrisches, die die überraschendsten Ähnlichkeiten mit Gesetzen unserer Thora aufweisen. Auch über den Anfang aller Dinge hatte man dort längst nachgedacht und Schöpfungslegenden entworfen. Die wichtigste ist die babylonische. Kenntnis hatte man von ihr bereits durch einen um 3oo v. d. g. Z. griechisch schreibenden chaldäischen Priester namens Berossus und den nachchristlichen Schriftsteller Damascius. Ihre babylonische Niederschrift auf Tontafeln in Keilschrift wurde 1875 von dem Engländer George Smith aufgefunden und entziffert und spätere Funde vermehrten unsere Kenntnis erheblich. Die Niederschriften sind zwar aus einer Jahrhunderte späteren Zeit als Mose, aber das viel höhere Alter ihres Inhaltes steht außer ZweifeL Die babylonische Schöpfungslegende ist ein Gedicht, nach den Anfangsworten „Enuma Elis" („Als droben") geheißen. Es beginnt damit, zu erzählen, wie im Uranfang die Götter entstanden: „Als droben der Himmel noch nicht benannt — Unten die Feste mit Namen noch nicht gerufen war — Vielmehr nur Apsü, der Uranfängliche, ihr Erzeuger — Mummu und Tiämat, die sie (die Götter) alle gebar; — als ihre Wasser in eins sich mischten, — Als ein Gefild sich noch nicht gebildet hatte, — eine Sumpfinsel sich nicht fand, — Als die Götter noch nicht existierten, kein einziger, — Als ein Name noch nicht gerufen, Lose noch nicht bestimmt waren, — da wurden gebildet die Gölter inmitten des Himmels . . . ." worauf dann eine Reihe von Göttern und Göttergenerationen aufgezählt wird. Diese Schöpfung der himmlischen Götter beunruhigt die Götter der unteren Welt und sie beschließen, jene zu vernichten. Nach einer ersten Niederlage rüstet die Tiämat ihr gräßliches Heer zum Kampfe: Giftige Riesenschlangen, wütende Molche, Drachen, Hunde, 50