Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 49 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Einführungen in das Erste Buch Mose. I. Die Schöpfung um ihn zu Gott emporzuheben, ist eine Erziehung zur Achtung vor dem Menschen als Ebenbild Gottes, als Übung in der Gottesfurcht Aber nicht der Mensch schon als solcher ist Ziel und Krone der Schöpfung, und nicht die Herrschaft über die Erde und die Arbeit auf ihr ist seine letzte Bestimmung, sowie die Schöpfung noch nicht mit ihr selber vollendet ist Dies ist sie erst mit dem siebenten Tage, an dem Gott von dem ganzen Werke ruhte, und den er gesegnet und geheiligt, d. h. irdisch und himmlisch geweiht hat Warum der Sabbat gerade der siebente Tag ist und demnach die Schöpfung in den Rahmen eines SecÄstagewerkes gespannt ist, wird beim vierten der zehn Gebote zu sagen sein. Hier genüge: nicht unbegrenzte Tätigkeit und rastlose Bewegung ist Leben im höchsten Sinne, so daß die ewig kreisenden Gestirne das vollkommenste Leben hätten, sondern die selbstgesetzte Ruhe nach der Bewegung und wiederum vor ihr, also ihr freiwillig gesetzmäßiger Rhythmus ist Leben und Freiheit Dies aber ist nur zweien gegeben: Gott und dem Menschen. Darum zeigt sich die volle Allmacht Gottes nicht einmal so sehr in der Schöpfung als in der selbstbestimmten Ruhe nach der Schöpfung. Deshalb ist der siebente Tag, an dem Gott mit der Schöpfung aufhörte, geheiligt Wie der Mensch allen andern nach Arten gesonderten Lebewesen als Einer gegenübersteht, so die Ruhe der Schöpfung und der siebente Tag den untereinander geschiedenen und in sich gegliederten Schöpf ungstagen, und letztes Ziel und höchste Krone der Schöpfung, also im Plane der erste Ausgangspunkt, ist der den siebenten Tag und damit sich selber heiligende Mensch. Mensch und Sabbat, in der ganzen Schöpfung sind nur diese beiden wahrhaft verwandt Diesen Sabbat hat Gott mit der Schöpfung eingesetzt, um ihn später dem zur Selbstheiligung bestimmten Israel zum Geschenk und zur Pflicht zu machen, so daß der Wipfel seines Gesetzes in der Urordnung der Welt verwurzelt ist 8. Die biblische Schöpfungsgeschichte ist nach Inhalt, Form und Geist rein israelitisch, und das ist auf den ersten Blick erstaunlich genug, ja kaum glaublich. Das Volk Israel, in dem die Thora entstanden ist, führte kein abgesondertes Dasein, sondern lebte inmitten einer lebhaft bewegten Völkerwelt und konnte sich zu keiner Zeit fremden Beeinflussungen entziehen. Das Land Palästina war keine abgeschiedene Insel, sondern, wie wenig andere, ein Durchgangsland und stand schon seit tausend Jahren vor Mose unter dem tiefe Spuren hinterlassenden Einfluß der beiden großen Kulturländer, die die 49 4