Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 46 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895453-2895739--00059-2895812- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
B. Jakob Wesen verwandt fühlt, als auch zu der wissenschaftlich forschenden, die, um eine ursächliche und entwicklungsgeschichtliche Einheit festzustellen, grade nach Übergängen sucht Aber es ist neben einer ästhetischen Betrachtungsweise, nach der Kosmos Ordnung und Ordnung Gliederung ist, die religiös-moralische, wertende. Es ist die Scheu vor Verwischung und Vermischung, die als gott- und schöpfungswidrig empfunden werden, der Respekt vor Individualität und Grenzen. Dies aber ist eine Grundstimmung des Gesetzes. Ein Verbot heißt: Grenzen achten. Und gesellschaftlich ist es ein priesterlich-aristokratischer Sinn, der daraus spricht 5. Bei jedem vollendeten Werke heißt es ferner: Und Gott sah, daß es gut war. Dies bedeutet nicht im moralischen Sinne gut, sondern: vollkommen in seiner Bildung und Art, mit allen Fähigkeiten und Anlagen, für seine Aufgabe auf's Beste versehen, seinem Zweck entsprechend, den göttlichen Gedanken ohne Kürzung und Trübung ausdrückend. Kein Werk Gottes hat einen Mangel oder Fehler von Natur aus, und kann getadelt werden wie ein menschliches. Der Allervollkommenste hat nur Vollkommenes geschaffen. Die Schöpfung war abschließend. 6. Mit alledem ist nun ein entschiedener Gegensatz gegen eine Reihe anderer Religionen und Weltanschauungen ausgesprochen. Gegen alle Vielgötterei, denn dieser Gott kann nur Einer sein. Gegen die Gebundenheit an Ein Land oder Volk, denn dieses Gottes ist die Welt Also gegen alle Nationalreligion und der Natur verhaftetes Heidentum. Die hebräische Bibel fängt an: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erda Die Heidenbibel müßte anfangen: Am Ende schufen Himmel und Erde die Götter. Denn alle heidnischen Religionen sind National- und Naturreligionen, hervorgerufen durch die Besonderheit des Landes und seines Volkes. Gegen die Ewigkeit eines zweiten Prinzips, sei dies auch nur ein Urstoff, denn schon in den ersten drei Worten stellt sie den schöpferischen Vorrang und die Obmacht eines geistigen Prinzips fest Gegen die Vereinerleiung von Gott und Welt, die Vergöttlichung der Natur, denn Gott geht nicht in der Welt auf, sondern ist über ihr, sie ist nicht voll von ihm selbst sondern von seiner Herrlichkeit und Güte, mit der jedes Ding als sein Werk gestempelt ist „Gott hat im Himmel seinen Thron aufgestellt aber seine Herrschaft erstreckt sich über alles". Gegen die Behauptung einer ursprünglichen Unvollkommenheit, Mißratenheit und Sinnlosigkeit der Welt. Also gegen Polytheismus (es gibt viele Götter), Atheismus (es gibt keinen Gott), Pantheismus (die Natur oder ihre Ordnung ist Gott), Monismus (Alles ist eine Einheit: 46