Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 45 (sequence 11)
- Language
- German
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Einführungen in das Erste Buch Mose. I. Die Schöpfung Scheidung und Artung. Bei keinem Tagewerk fehlen sie. Und zwar wird das erste für die Verschiedenheit der Schauplätze gebraucht: Licht und Finsternis, Tag und Nacht, Himmel und Erde (obere und untere Wasser). An jedem Tage wird nur Eine Scheidung vorgenommen, und bestünde sie nur in Einem Worte („es werde Licht"), wonach Gott den in gegensatzlichen Paaren geschiedenen Schauplätzen (zu denen auch die Zeit gehört), Namen gibt, d. h. ihre Bereiche anweist: dem Tag und der Nacht, dem Himmel, der Erde und dem Meer. Das Wort Art aber wird bei jeder Schöpfung der organischen Wesen so geflissentlich wiederholt, daß die Absichtlichkeit nicht verkannt werden darf: „Die Erde bringe Grünes hervor, samentreibendes Kraut und fruchtschaffende Bäume mit Frucht und Samen nach ihrer Art. Und die Erde brachte hervor: Grünes, samentreibendes Kraut nach seiner Art und fruchtschaffenden Baum mit Samen nach seiner Art". Und so bei den Fischen, Vögeln und Landtieren. Also ist es die offensichtliche Absicht, zu lehren, daß die Schöpfung nicht bloß in Hervorbringung sondern auch in Ordnung besteht Ordnung aber ist Scheidung, sowohl nach Gebieten als nach Arten, nach außen und innen, gegen Fremdes und Verwandtes. Dies ist auch der wahre Sinn der Schöpfung in Tagen. Daß nicht jedesmal ein ganzer Tag nötig gewesen wäre, zeigt sich handgreiflich schon beim ersten Tage. Sondern auch sie dienen der Gliederung des Alls. Wie die einzelnen Schöpfungswerke in Gliederungen bestehen, so sollen sie auch gegeneinander abgegrenzt werden. Das ist auch der Grund, warum mit der Schöpfung des Lichtes begonnen wird: Nicht nur, weil ohne Licht die Dinge nicht zu erkennen, zu sondern und zu ordnen sind, und Morgen die Zeit ist, wo sich die Dinge scheiden und unterscheiden lassen; das Wort Erkennen und Einsicht ist im Hebräischen desselben Stammes wie „Zwischen"—Sondern: sollten die Schöpfungswerke als abgegrenzt und abgemessen dargestellt werden, so mußte zu allererst der Maßstab und Grenzstein selbst geschaffen werden. In der Deutung der Tage als Perioden ist also doch eine gewisse Wahrheit Zwar können sie nach dem Buchstaben nicht mehr denn . Zeiträume von 24 Stunden bedeuten. Aber worauf es der Thora ankommt, sind nicht sowohl diese Zeitabschnitte von 24 Stunden ä 60 Minuten, sondern überhaupt die Scheidung und Abgrenzung wie in Nebeneinander so auch in Nacheinander, wofür eben das erste durch die Natur selbst gegebene Maß der Tag ist Daher sagt der Hebräer für: zur Zeit als . . . „Am Tage, da . .". Diese Anschauung steht im strengen Gegensatze sowohl zu einer naturschwärmerischen, für die alle Grenzen verschwimmen, und die sich mit allen beseelten und unbeseelten 45