Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 44 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jakob immer nur geworden, kommend, aber wir sehen nie das Werden. — Das entscheidende Wort aber ist: Und Gott sprach. Wenn es heißt: Gott sprach: es sei eine Ausdehnung — es seien Leuchten, und gleich darauf: und Gott machte die Ausdehnung, und Gott machte die beiden Leuchten, so ergibt sich, daß „Gott machte" nichts anderes sagen will als: „er sprach: es sei!" — „Durch des Ewigen Wort wurden die Himmel geschaffen und durch den Hauch seines Mundes ihr ganzes Heer". Und umgekehrt heißt es nach: „Die Erde bringe hervor — die Wasser sollen wimmeln": Gott machte und schuf. Also bedeutet dies die Verleihung der Hervorbringungsfähigkeit durch Gottes Wort So schwer es dem gewohnten Denken wird, einen Anfang vor alles naturgesetzliche Wirken zu setzen, so bleibt ihm doch nichts anderes übrig. Alles Leben wird nach unverbrüchlichem Naturgesetz wiederum aus Leben, aber das erste Leben muß ein schöpferischer Akt gewesen sein. Noch hat keine Wissenschaft eine andere Erklärung zu geben vermocht Sie kann zurückgehen bis zur allerersten Form, bis zum Weltennebel, aber woher dieser, oder auch nur seine erste Bewegung kam, vermag sie nicht zu sagen, und es ist nicht ihres Amtes. Überhaupt aber ist eine wissenschaftliche Schöpfungsgeschichte ein Widersinn. Wie von Gott, so hat die Wissenschaft auch von Schöpfung ganz abzusehen. Sie hat mit den Dingen nur zu tun, seitdem sie da sind. Von da ab mag sie überall das strengste Walten von Gesetzen nachweisen, sie mag, so viel sie will, mit dem Begriff der selbsttätigen Entwicklung zu erklären versuchen und dafür einen Kredit von Jahrmilliarden in Anspruch nehmen, aber für den Anfang ist damit nichts gewonnen. Und dieser uranfängliche Schöpfungsakt konnte, wofern er überhaupt durch menschliche Sprache auszudrücken ist, durch kein Wort tiefer, dem Geist gemäßer, und doch lebendiger und einfacher als mit: „Und Gott sprach" wiedergegeben werden. Das Wort ist Ausdruck eines Gedankens. Alle Werke der Natur sind Gottes Worte und Gedanken, alle Naturbetrachtung und Naturforschung besteht darin, Gottss Worte zu entziffern und seine Gedanken nachzudenken. Die Natur ist das von Gott verfaßte Lesebuch der Menschheit und Wissenschaft Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Würdiger, an der Spitze des Buches der Bücher zu stehen, konnte kein Wort sein, als dieser gewaltigste Satz. Endgültig ist damit der Geist den Banden der Natur entwunden und zu ihrem Herrn und Schöpfer gemacht Wie schwächlich sind dagegen alle alten Welterklärungen und Philosophieen! 4* Durch die ganze Darstellung zieht sich ferner ein maßgebender, durch zwei Wörter ausgedrückter Begriff, ohne den sie nicht verstanden wird: 44