Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 43 (sequence 9)
- Language
- German
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Einführungen in das Erste Buch Mose. I. Die Schöpfung Ewigen deinen Gott lieben! Dies aber forderte, bis zu Ende gedacht, Gott als den Schöpfer. Nur der Schöpfer ist wahrhaft Herr, nur von dem Geschöpf, das ihm das Dasein verdankt, kann er alles fordern. Erst dann war die Welt in unbeschränktem Sinne seine Welt, konnte bei ihm dieses lebendige Interesse angenommen werden, wie bei Vater und Mutter für ihr leibliches Kind. Indem er sie geschaffen hatte, hatte er sich verbunden, sie in seine Obhut zu nehmen. So begreift man die Zusammenstellung: „Er hat Himmel und Erde geschaffen, — er. bewahrt Treue in Ewigkeit". So ist dieser Gott trotz seiner Erhabenheit zugleich der allerlebensvollste. Was könnte denn auch kraftvoller von Leben zeugen als das Zeugen alles Lebens — aus dem Nichts und allein durch das Wort? 3. Die schöpferische Tätigkeit wird in diesem Kapitel durch drei verschiedene Worte ausgedrückt: er schuf — er machte (wirkte) — er sprach. Im letzten Grunde bedeuten alle drei dasselbe. Er schuf geht auf das Neue, noch nie Dagewesene, Staunenerregende. Es liegt zwar nicht ausdrücklich in diesem Worte allein, ist aber unzweifelhaft die Lehre der Thora, daß Gott die Welt aus Niehls geschaffen hat — lediglich durch seinen schöpferischen Willen und Befehl. Keine frühere Religion oder Philosophie hat den entschlossenen Mut gehabt, diese letzte Folgerung zu ziehen. Zum Wenigsten haben sie einen eigenschaftslosen Urstoff angenommen, der dann ebenso sehr eine Schranke für Gottes Allmacht wie schließlich für die sittliche Freiheit und Verantwortlichkeit des Menschen bedeuten, indem das Böse in diesen Urstoff verlegt werden kann und eine Entschuldigung hat So aber verdankt die Welt ihr Dasein und ihre Ordnung einzig und allein Gott Alle Macht und Weisheit, die sie kündet, kommt aus ihm und zeugt von ihm. Er steht ihr in absoluter Allmacht und Freiheit gegenüber, sie ist durch ihn, nicht er durch sie bedingt Gott machte will mit allem Nachdruck — dies ist geradezu die Hauptabsicht — alle Natur als ein von dem Geist seines Schöpfers zeugendes und mit diesem Bewußtsein zu betrachtendes Gotteswerk kennzeichnen. Aber sie ist auch nichts als ein Gottes werk und Nichts im Himmel und auf Erden ist selber Gott und selber göttlich zu verehren. Das Hebräische hat kein Wort wie Natur, d. h. Entstehung, Gewordensein, Eigenart Nach seiner Auffassung und Ausdrucksweise ist Beschaffenheit Geschaffenheit, alles Daseiende weist auf einen Höheren, der es gemacht und so gemacht hat Wie Gott geschaffen hat, darüber schweigt die Thora in keuscher Zurückhaltung. In Gottes Werkstatt drang niemals ein erschaffner Geist Wir sehen die Dinge 43