Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-04-01
Page
42 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2895450-2895451-2895453-2895739--00055-2895808
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

B. Jakob nicht von uns hineingedacht, nicht eine Ausstrahlung des Stoffes und das letzte Wort der Form, sondern steht außer ihnen und war ihr Schöpfer, von dem alles Körperliche sein Dasein, seine Mannigfaltigkeit, seinen Sinn, sein Gesetz, seine Schönheit empfangen hat Denn nur dies ist die seiner würdige Stellung gegenüber dem Stoff. Diese unerschöpfliche Fülle der Wesen, die kein Auge überschauen kann, deren Wunder kein Denken ergründet, kein Hymnus würdig preist, findet ihre von dem unmittelbaren Eindruck oder dem Denken vorausgesetzte oder verlangte und gesuchte Ursächlichkeit und Einheit nicht in einem abgezogenen Begriff und Ordnungsgedanken, sondern in Gott als ihrem Schöpfer. „Wer vermöchte die Großtaten Gottes auszusagen, zu verkünden seinen ganzen Ruhm?" — „Gott mein Herr, gar groß bist Du, Hoheit und Majestät sind Dein Kleid." — „Wie groß sind Deine Werke, o Ewiger, gar tief Deine Gedanken." — „Herr, wie viel sind Deiner Werke, alle hast Du mit Weisheit geschaffen, voll ist die Erde Deiner Schöpfung." Um diese Stimmung grenzenloser Bewunderung, tiefer Ergriffenheit und Andacht gegenüber der Schöpfung, die zu überströmend dankbarer anbetender Verehrung des erhabenen Schöpfers führt, wenn auch kein Lobgesang seine Größe erreicht, hervorzurufen, ist das erste Kapitel der Bibel geschrieben. Von diesen Gesinnungen ist es eingegeben, es ist ein majestätisches Portal zum Weltall, zu dem Wunderpalast des Königs aller Könige, des Heiligen (gelobt sei er!), es ist der erste Psalm zum Preise des Schöpfers, der erste Unterricht in der Gottesfurcht Aber um zu erklären, warum nur die hebräische Bibel mit einer solchen Darstellung der Weltentstehung beginnt, kann es noch nicht genügen, den Grund nur in einem philosophischen Nachdenken und einer gewissen Stimmung des Gemütes, die doch allen Menschen gemeinsam sind, zu sehen. Vielmehr muß er in einer israelitischen Besonderheit gesucht werden. Und dies ist eine religiös-sittliche Überzeugung. Zugestandenermaßen hat keine Religion der Welt vor der biblischen das Verhältnis zwischen Gott auf der einen Seite und Welt und Mensch auf der andern Seite so klar und persönlich und dabei so entschieden von sittlichen Gedanken bestimmt aufgefaßt Nur in ihr wird die Natur mit allen ihren Kräften als die Dienerin betrachtet, die ihm unbedingt zu gehorsamen hat und freudig folgt, wenn er sie zur Vollstreckung seiner Befehle im Dienste seiner Gerechtigkeit und Gnade aufruft Nur in ihr konnte der Mensch beten: Mein Gott! Unser Vater im Himmel!, konnte ihm gesagt werden: Ich bin dein Gott, — du sollst den 42

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.