Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 41 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Einführungen in das Erste Buch Mose. I. Die Schöpfung Aber der Mensch als Ausgangspunkt für die Betrachtung und Beurteilung der Welt, als ihr Maß und Zweck hat noch einen tieferen Grund und Sinn. Indem der Mensch die ganze Schöpfung auf sich bezieht, soll er dem edlen Gaste gleichen, der, wie der Talmud einmal sagt, zu sich spricht: Welche Mühe hat sich der Hausherr nicht gemacht, wie viel Zurüstungen getroffen, wie viel köstliche SpeiseD bereitet — und alles dies um meinetwillen! Dahingegen der unedle Gast spricht: Was hat er denn groß getan! das bißchen Fleisch, das bißchen Wein! Und schließlich hat er sich doch alle Mühe nur für seine Familie gemacht Der Mensch soll sich als ein Gast auf Erden betrachten, nicht bloß in dem Sinne, daß seines Bleibens nicht ist, sondern voll Dankes gegen den Hausherrn der Welt, der ihm den Tisch bereitet und all die Herrlichkeiten für ihn — denn sind sie nicht für ihn? erfreuen sie nicht sein Herz und seine Sinne? — erschaffen hat Die Dankbarkeit ist nicht nur ein Grundgefühl der Religion, sondern auch der wahre Ursprung und stärkste Antrieb zu einem persönlichen Gottesglauben, während das schlechte Herz und undankbare Gemüt gar zu gern den Zweck in der Welt wegdisputieren möchten. „Wie groß ist des Allmächtgen Güte — Ist der ein Mensch, der sie nicht spürt — der mit verhärtetem Gemüte — den Dank erstickt, der Ihm gebührt?" 2. Der oberste und bereits alles zusammenfassende Satz, den die Thora lehren will, ist das Anfangswort: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde". Diese Wahrheit kann man leugnen, aber keine Wissenschaft kann sie widerlegen, und so scheiden sich bereits an diesem Punkte die Geister. Wie aber kommt der Mensch zu diesem Glauben, und was bedeutet hier „Gott"? Wenn ich irgend ein Werk betrachte, so leuchtet mir aus dem Stoff und der Form noch etwas anderes entgegen, ob ich es gleich nicht sehen und greifen kann: der Geist des Künstlers und Werkmeisters, ob ich ihn gleich nicht kenne und nicht weiß, auf welche Weise er es zustande gebracht hat Was aber ist z. B. das mit höchster Kunst geformte und verzierte Gefäß gegen das Wunderwerk der bescheidensten Blume, die darein gesetzt ist? Sie hat, das weiß ich, kein Mensch gebildet, noch kann er je dergleichen schaffen. Und nun dieses ganze All, Himmel und Erde, und ihr ganzes Heer! Aus dem Größten und dem Kleinsten, vom Sonnenball bis zu dem Grashalm und dem Tautropfen, der an ihm hängt, aus allem und jedem leuchtet uns ein Geistiges entgegen, ein Geist, dessen Macht und Weisheit unermeßlich über allem Menschlichem, ja außer allem Vergleich mit ihm steht Und dieser Geist ist 4t