Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Ist das Rassenbewußtsein ein Faktor der Geschichte?
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 33 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895453-2895738--00045-2895799- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ist das Rassenbewußtsein ein Faktor der Geschichte? Verschiedene Gründe lassen sich dafür angeben. Durch die amerikanische und später durch die französische Revolution wurde in den Völkern das Verlangen geweckt, an den außen- und innenpolitischen Entscheidungen teilzunehmen. Von da ab wurde die Volksstimmung ein Faktor in internationalen und innernationalen Fragen. Die Nation, die früher die internationale Politik ihrem Herrscher überlassen hatte und sich in Kriege stürzte, die er oder die herrschende Klasse veranlaßten, wurde sich jetzt bewußt, eine Macht unter den Weltmachten zu sein. Sie glaubte ihre Einheit in der Gemeinsamkeit des Blutes finden zu können und legte der Rassengemeinschaft neuen Wert bei. Feindschaften und Kriege, die bisher Sache der Dynastie waren, wurden Sache des Volkes. Rassengruppen, die unter Fremdherrschaft lebten, erkannten, daß nur durch Abwerfen der äußeren Macht, die sie mit Waffen niederhielt, die Freiheit gewonnen werden könne. So beeinflußte das Nationalitätenprinzip Griechen und Italiener, Polen und Magyaren und später Serben, Rumänen, Bulgaren und Armenier, wozu bei letzteren das religiöse Moment stärkend hinzukam. Gleicherweise ging im Jahr i848 in Deutschland die Bewegung für Volksregierung Hand in Hand mit dem Streben nach politischer Einheit unter einer nationalen Regierung, und drohte abzusterben, als die Einheit erreicht worden war, und Macht und Reichtum, viel mehr als Freiheit, nationale Ideale wurden. Ein neuer Geist erfüllte die alten Überlieferungen jedes Volkes. Rassenbewußtsein entstand und wurde der Kern der Nationalität Während diese geistigen Kräfte zunahmen, erlaubte der Fortschritt der Wissenschaften den größeren Nationen ihren Handel auszudehnen und ihre Emigranten nach überseeischen Ländern zu schicken. Der Wettstreit der Nationen erstreckte sich auf neue Bereiche; Konkurrenz der Arbeit und des Welthandels verschärften sich. Land und Kolonien waren erwünscht wegen des Reichtums, den sie dem Mutterland einbringen konnten; und der Ehrgeiz, der früher die Herrscher bewegte, übertrug sich jetzt auf die Völker, die in der größeren Weltarena stritten; und jedes Volk fühlte sich in seiner Ehre herausgefordert und in seinen Anstrengungen weitergetrieben durch den Fortschritt seiner Gegner. Inzwischen hatten die Gelehrten das Gebiet der Geschichte und Philosophie erforscht Der Ursprung der verschiedenen menschlichen Familien wurde untersucht und ihre Verwandschaften dargelegt Die alten Annalen wurden herausgegeben, die alten Gedichte populär gemacht Man bewunderte die früheren Heldentaten der Rasse und bei jedem Volke gaben Geschichtsschreiber und Dichter der Flamme des Nationalstolzes Nahrung. Das alles 33 3