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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Ist das Rassenbewußtsein ein Faktor der Geschichte?
Date
1925-04-01
Page
29 (sequence 12)
Language
German
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Ist das Rassenbewußtsein ein Faktor der Geschichte? gezählt Die Urindianer stehen auf einer niederen Kulturstufe, da sie ungebildet sind, einige sind Tagelöhner bei den Weißen, andre leben noch ziemlich unzivilisiert, in Stämmen. Sie sind, nicht unbeliebt bei den höheren Klassen, für die sie zwar keinen Haß, aber doch Zurückhaltung und jenes ängstliche Mißtrauen empfinden, das sich bei verachteten und unterdrückten Menschen gegen ihre Feinde einstellt Anhaltende Ungerechtigkeit und Unterdrückung führten zu dem einzigen großen Indianeraufstand von Tupac Amaru gegen den spanischen Vizekönig von Peru im Jahre 1780. Das Rassengefühl ist niemals ein Faktor in der Politik des lateinischen Amerika gewesen (nur insoweit als die Unterdrückten, die fast alle der Urrasse angehören, die Unterdrücker nicht lieben); das Rassengefühl war überhaupt immer viel schwächer bei den südeuropäischen als bei den nordischen Völkern. In Brasilien und in Südostafrika sind die Portugiesen nicht abgeneigt, Ehen mit Mulatten oder Quadroons (Viertelschwarze) einzugehen. — Ich brauche wohl nicht weiter einzugehen auf die große und schmerzliche Frage der Beziehungen zwischen der farbigen und der weißen Rasse in den Südstaaten der nordamerikanischen Union. Ihre jetzige Schärfe ist nicht nur auf die frühere Sklaverei zurückzuführen, sondern auf die unvernünftige Politik, die in den ersten Jahren nach dem Bürgerkrieg getrieben wurde, und die darin bestand, daß die eben eroberten Staaten von weißen Abenteurern verwaltet wurden, die ihr Amt durch den Stimmzettel der Neger erhielten. Wie die Vereinigten Staaten den besten Beweis liefern für die Fähigkeit eines starken und scharf ausgeprägten nationalen Typus, sich jeden Zuwachs der ursprünglichen Bevölkerung einzuverleiben und somit bei stärkster Blutmischung Einheit zu verleihen allen weißen Menschen, so ist Canad» ein Beispiel dafür, wie leicht es für zwei Rassen ist, unter derselben Regierung in ihrer Besonderheit zu bleiben, wenn jede für sich einen eigenen Bezirk hat Die französisch sprechenden Canadier sind kaum anglisiert worden (außer in ihren politischen Gewohnheiten) während des eineinhalb Jahrhunderts ihrer Zugehörigkeit zu dem englischen Weltreich. Glücklicherweise hat der absolut gleiche Anteil, den sie an der Selbstverwaltung haben und das Anwachsen eines Gefühls von canadischem Nationalstolz eine Mißstimmung zwischen beiden Rassen verhütet — Wenn diese gedrängte Übersicht von Tatsachen stimmt, so hat sie uns gezeigt, daß bis zu den Tagen der französischen Revolution sehr wenig bewußtes Rassengefühl in irgend einem Land oder zu irgend einer 29

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