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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 27

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Ist das Rassenbewußtsein ein Faktor der Geschichte?
Date
1925-04-01
Page
27 (sequence 10)
Language
German
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Ist das Rassenbewußtsein ein Faktor der Geschichte? In einer anderen Gegend, wo sich seit kurzem ernste Gegensätze herausgebildet haben, verursachte vor einigen Jahrhunderten der Kontakt verschiedener Rassen wenig Erregung. In Ungarn und Transsylvanien herrschte das magyarische Element, wenn es nicht durch die Türken niedergeworfen wurde, aber erst nach den napoleonischen Feldzügen begann man dort von Antagonismus zwischen Magyaren — Adeligen und Bauern — und den Slawen oder Rumänen zu reden. In Böhmen aber war der Antagonismus der Tschechen gegen das damals geringere deutsche Element schon im 15. Jahrhundert fühlbar und fand seine Auswirkung in den Streitigkeiten, die die Prager Universität zerrütteten. Diese Streitigkeiten waren keine reine Rassenfrage, sondern wurden verschärft durch die religiösen Dispute der Hussiten und orthodoxen Katholiken und die scholastischen Dispute zwischen den Nominalisten (vorwiegend Deutsche) und der realistischen Partei; die aus der Masse der tschechischen Lehrer und Studenten bestand. Um zu veranschaulichen, welche Erscheinungen entstehen, wenn ursprünglich verschiedene Rassen unter dem gleichen Herrscher leben, brauchen wir nicht aus unserem laselreich zu gehen, wo die Gaelen von Schottland und Irland und die Cymbern von Wales sich gegen die Sassenachs (so bezeichnen die Bergschotten die Angelsachsen) verbündeten, die über das Meer in keltisches Land gedrungen waren. Es besteht immer eine gewisse Abneigung zwischen Völkern, die verschieden in Sprache und Charakter sind. Man fand und kann vielleicht jetzt noch in Wales Spuren dieser Abneigung gegen die Engländer finden, wie ich sie selbst vor 5o Jahren beobachten konnte; die Engländer machten den Wallisern ihr aufgeregtes, unstetes Wesen zum Vorwurf, während diese im Stillen die schroffe und hochfahrende Art der Engländer unangenehm empfanden. Man nimmt gewöhnlich an, daß der Streit der Kelten und Germanen in Irland schärfer geführt worden sei als anderswo. Aber man hat schon vor langer Zeit bemerkt, daß die anglo-normannischen Abenteurer, die die besten Teile dieser Insel eroberten, bald irischer als die Irländer selbst wurden. Die Nachkommen der Soldaten Cromwells, angesiedelt in Tipperary, wurden die Whiteboys und Ribbonmen, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts so viel Unruhe hervorriefen. Sie waren eine Minderheit inmitten der ursprünglichen Bevölkerung. Nur in der Nordostecke von Ulster, wo eine ziemlich große und dichte Masse schottischer Ansiedler lebte, blieb das neue Element gesondert, aber eher in Folge der Religion als der Rasse. Noch vor sechzig Jahren sprachen die presbyterianischen 27

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