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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 26

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Ist das Rassenbewußtsein ein Faktor der Geschichte?
Date
1925-04-01
Page
26 (sequence 9)
Language
German
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Viscount Bryce wendische Feste. In diese Gegend drangen die Germanen von Süden and Westen vor und ein langer Kampf folgte, in dem sie, die besser und stärker organisiert waren, überall siegreich blieben. Die späteren Phasen der Entwicklung waren verhältnismäßig friedlich, und die Germanisierung des Landes war so vollkommen, daß sie keine aufreizenden Erinnerungen hinterließ. Die wendische Sprache wird oder wurde noch vor kurzem an der Elbe südlich von Dresden gesprochen und die Bevölkerung Mecklenburgs ist wesentlich slawischen Ursprungs. Es ist schwer zu sagen, inwieweit der Charakter der jetzigen Bewohner dieser Gegenden sich geändert hat durch die Mischung mit germanischen Stämmen. Niemand weiß, wie groß wirklich der Einfluß des Blutes auf die geistigen Eigenschaften eines Volkes ist, verglichen mit den Einflüssen auf geistigem und ethischem Gebiet Jetzt ist der „Typus" in den meisten dieser Gegenden ganz germanisch; ja Pommern mit seinem slawischen Namen (Po more, nahe dem Meere, wie Po Russia Preußen: die ursprünglichen Preußen waren Litauer) ist anerkanntermaßen der preußischste Teil Preußens. — Eine ähnliche Entwicklung hat sich in den letzten fünf Jahrhunderten in Rußland vollzogen. Die ursprünglichen Russen bestanden aus zwei eng verbündeten Gruppen von Slawen, die nördliche hatte ihre Zentren in Nowgorod und Moskau, die südliche in Kiew. Jetzt haben sie viele finnische Stämme, die nordöstlich und östlich bis zum Ural hausten, Mordviner und Tschuwassen, Tschermissen und Votiaken und verschiedene andere slawisiert; ebenso einige türkische Stämme im Südosten, von denen nur diejenigen, die gläubige Muselmänner waren, getrennt blieben. Durch diese allmähliche und kaum bemerkbare Entwicklung wurden Sprache, Gewohnheiten, Religionen der vorgeschrittenen und besser organisierten Rasse von der schwächeren eher angenommen als ihr aufgezwungen (wie in den baltischen Provinzen). Es zeigte sich kein Rassenkonflikt, weil kein Rassengefühl bestand. Von allen diesen Völkern lehnte und lehnt heute noch eines ab, russifiziert zu werden. Dieses Volk sind die Finnen in Finnland. Sie besaßen, als die russischen Zaren zu Beginn des 19. Jahrhunderts ihre Herrscher wurden, schon seit Generationen eine von Schweden empfangene Kultur und durch diese und die Pflege ihrer eigenen Kultur waren sie völlig den Russen ebenbürtig. Es bestand keine Rassenfrage, bis in unserer Zeit Sb ei tfragen zwischen Finnland und den Zaren entstanden. Jetzt hat sich bei den Finnen ein sehr starkes Nationalgefühl gebildet, genährt durch das Studium ihrer alten Gesänge und Sagen. — 26

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