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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Ist das Rassenbewußtsein ein Faktor der Geschichte?
Date
1925-04-01
Page
25 (sequence 8)
Language
German
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Ist das Rassenbewußtsein ein Faktor der Geschichte? In England entfaltete sich das Gefühl für nationale Einheit and Nationalstolz unter der Regierung Elisabeths, angespornt durch den Streit mit Spanien, der sich weit über unsre engen Meere erstreckte. Die religiösen Fragen und der weltliche Wettbewerb hatten das Volk in einer Weise geweckt wie nie zuvor und eine Erregung hervorgerufen, die aus tieferen Quellen entsprang, als die Königstreue oder die Freude an ritterlichen Taten auf fremden ScMachtfeidern. Oberall außer in Italien und dem deutschen Reiche, entstanden geschlossene Nationen aus dem Schoß des Mittelalters, und als im 18. Jahrhundert die religiösen Kriege beendet waren, und die verschiedenen lokalen Elemente in jedem Land in eines verschmolzen, entstand in jedem dieser Länder ein Nationalbewußtsein, das zwischen Ländern wie Spanien und Portugal, Spanien und Frankreich, Rußland und Polen und England und Frankreich ein Element der Feindseligkeit in sich barg. Dennoch war in diesem exklusiven Nationalbewußtsein das Rassengefühl sehr schwach. Keine Nation, sogar kaum Frankreich, das am meisten Anspruch auf Führerschaft hatte, rühmte ihre Kunst und Literatur, um die der andern herabzusetzen; jede war gewillt, von der andern zu lernen. Li Deutschland zum Beispiel wurden überall französische Moden und Manieren nachgeahmt trotz der langen Kriege, die das Haus Habsburg und andre deutsche Fürsten gegen die Macht Ludwigs XIV. geführt hatten. Peter der Große ging nach Holland, um zu lernen, was er seinem rohen Volk zuführen könne. Friedrich der Große, der sich mit Schwierigkeit gegen die französischen Armeen verteidigt hatte, schrieb französische Abhandlungen und Verse und war nie glücklicher, als wenn er französische Gelehrte oder Schriftsteller an seinen Hof heranziehen konnte. Dennoch, ehe seine Regierung zu Ende war, hatte eine Wandlung stattgefunden; obwohl Lessing nicht verstehen konnte, was man Vaterlandsliebe nannte — „Ich halte sie bestenfalls für eine heroische Schwäche" — erlebte er noch die ersten Regungen eines nationalen Geistes in Deutschland. — Ehe wir jedoch zu dem neuen Europa kommen, das durch die französische Revolution geschaffen wurde, wollen wir einige Tatsachen prüfen, die, etwas abseits vom Hauptstrom der Geschichte, die Phänomene der Rassenberührung und der Rassenmischung illustrieren. Im 9. Jahrhundert scheint die Gegend, die südlich der Ostsee und östlich der Elbe liegt, von slawischen oder litauischen Stämmen bevölkert gewesen zu sein. Brandenburg, jetzt das Herz Preußens, war damals eine 25

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