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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 21

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Ist das Rassenbewußtsein ein Faktor der Geschichte?
Date
1925-04-01
Page
21 (sequence 4)
Language
German
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Ist das Rassenbewußtsein ein Faktor der Geschichte? Hittitern und Jebusitern einzugehen, sondern auch ihre Gotter anzunehmen; und bis an das Ende der Königsherrschaft versuchten die Propheten vergebens, Israel zur Verehrung des einig-einzigen Gottes zurückzuführen. Edom und Moab wie auch die Ammoniter wurden von Israel als dem gleichen Stamme angehörig angesehen, denn Edom wird in der Genesis auf Abraham und die beiden anderen Stämme auf dessen Neffen Loth zurückgeführt, und trotzdem war die Feindschaft groß zwischen diesen Völkern gleicher Abstammung. Sie dachten nie daran, einander Hilfe zu leisten gegen die assyrischen Eindringlinge. — Als der Vorhang sich über Italien hebt, finden wir dort auch Völker und Stadtstaaten, verschieden nach Sprache und Blut Außer solchen lateinischen oder oskischen Ursprungs gab es griechische Einwanderer im Süden, Etrusker und etwas später Gallier im Norden. Unaufhörlich führten sie Krieg untereinander, doch diese Kriege hatten wenig mit Rassenunterschieden zu tun, von denen wir übrigens viel weniger erfahren als die Ethnologen wissen möchten. Rom (das selbst eine Bevölkerung gemischten Blutes hatte) war unbeeinflußt von solchen Gefühlen in den Jahrhunderten seiner Eroberungszüge. Kein Volk war je stolzer als das römische und keines hatte mehr Grund dazu. Obwohl es in der Fülle seiner Macht sich von der Vorsehung berufen fühlte, die Welt zu regieren, zeigte es wenig Verachtung und keinerlei Rassenabneigung gegen die Bewohner der eroberten Provinzen. Sobald diese Provinzen unterworfen waren, hören wir sehr wenig von Aufstanden, wie sie ein verwundetes Nationalgefühl hätte hervorrufen können. Der lange und furchtbare Kampf mit den Semiten von Karthago war ein Streit der Rassen, aber es war ein Kampf um die Herrschaft, nicht ein Kampf der Italier gegen die Phönizier. Von den großen Dichtern, die die Zierde des literarischen Roms bildeten, war nur Lukrez ein geborener Römer. Virgil und Catullus waren wahrscheinlich Kelten, da der eine von Mantua, der andere von Verona kam. Ovid war ein Pelignianer von der adriatischen Küste. Propertius ein Umbrier, Horaz der Sohn eines Freigelassenen von Apulien, Seneca und Lukian gehörten einer spanischen Familie an. Statius kam von Neapel, Juvenal von Aquinum. Doch scheint keiner von ihnen verachtet worden zu sein, weil er nicht römischen Ursprungs war. Als das imperialistische System die ganze zivilisierte Welt umfaßte, stand jedes Amt — selbst das des Kaisers — jedem Mann jedweder Herkunft offen. Trajan, der größte Herrscher seit Augustus, war Spanier. Nur zwei Rassen scheinen Gegenstand der Abneigung 21

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