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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Der Begriff des Übermenschen in der jüdischen Religions-Philosophie
Date
1925-04-01
Page
12 (sequence 10)
Language
German
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I. Heinemann Kontrastes. Der Schüler des frommen Gazzali kennt auch den übernationalen: Unterschied zwischen dem religiösen Menschen, der Gott in seinem Herzen erlebt, und dem innerlich Unfrommen, den nur die Philosophie von Gottes Dasein überzeugen kann; und wie er in seinem philosophischen Werk die reine Frömmigkeit eines Königs aus nichtjüdischem Blut schildert, so hat er in seinen Gedichten gelegentlich nichtjüdische Frömmigkeit als mustergültig gefeiert und dadurch die Härte des Rassengedankens und seinen im Grunde materialistischen Sinn erheblich erweicht Und auch die Philosophie erscheint ihm nicht unbedingt als wertlos, geschweige als die Dirne, als welche sie etwa Luther aus religiösen Motiven bekämpft Aber im System selbst ist diese Anerkennung außerjüdischer Frömmigkeit und Weisheit nicht begründet Und während Philon den Vorzug Israels ableitet aus dem Gedanken an die mystische Frömmigkeit, so geschieht bei Jehuda das Umgekehrte; alles Wertvolle, was andere Völker geleistet haben, erscheint hier doch nur als eine gewisse Vorstufe zu jenen unbedingt überlegenen, nur dem gläubigen Israel auf heiligem Boden erreichbaren Werten, die den Menschen zum prophetischen Übermenschen erheben. An den philosophischen Begriff des Übermenschen hatte Jehuda Halevi angeknüpft, aber die ursprünglich philosophische Idee selbständig zur religiösen Idee umgebogen. Die organische Weiterführung der philosophischen Fassung finden wir bei Maimuni. Auch er kennt einen Übermenschen. Aber man gelangt zu seiner Höhe nicht durch mystische Weihe, wie nach Philon, — nicht durch Besinnung auf den Adel des Blutes, wie nach Jehuda: der Weg geht durch die methodische Klarheit des Denkens. Wir erinnern uns an jene Unterscheidung des Wissenden und der Menge, die wir bei Polybios fanden. Nur der Weise soll die Wahrheit über die göttlichen Dinge wissen: der Menge geziemt der Wahn. So dachten auch — um es sofort scharf auszusprechen: zwar nicht jüdische, wohl aber arabische Aristoieliker im Mittelalter. Farabi lobt Galen, der seine Wissenschaft nur den Erlesenen übermitteln wollte, von denen jeder tausende von Dutzendmenschen aufwiegt; denn man soll die letzten Lehren der Religion und Ethik den ewig Blinden nicht verkünden. Das hat nach dem Philosophen Ibn Sina auch Mohammed gewußt; er hat nur die Beduinen zivilisieren wollen und ihnen daher die Auferstehung des Fleisches gepredigt, an die er selbst natürlich nicht geglaubt hat; und er hat recht getan; denn was rein geistige 12

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