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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Der Begriff des Übermenschen in der jüdischen Religions-Philosophie
Date
1925-04-01
Page
9 (sequence 7)
Language
German
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Der Begriff des Übermenschen in der jüdischen Religionsphilosophie Nun wird freilich die Schroffheit dieser Unterscheidung zwischen dem Mysten und dem Ungeweihten dadurch etwas gemildert, daß auch jene beiden anderen Distanzen, die wir kennen, die physiologische Abstufung der Völker und die rationalistische Unterscheidung der Weisen und der Toren, in sie hineinspielen. Aber im Grunde werden doch auch die anderen Unterschiede aus den Werten der Mystik verständlich. Gelegentlich deutet Philon Israel etymologisch als das Volk der „Schauenden"; er hält also an einem gewissen Vorzug seines Volkes fest; aber dieser Vorzug selbst wird ausgedrückt in der Sprache der Mystik. Wohl glaubt er an den Wert der Philosophie; aber will er sie preisen, so verherrlicht er sie als das „wahre Mysterium". Vorherrschend ist also für ihn der Gedanke, daß nicht Vorzüge des Bluts und nicht wissenschaftliche Studien, sondern das Wissen um letzte Geheimnisse den wahren Weg im Diesseits und — wenn dies auch nicht mit der Deutlichkeit mittelalterlicher Denker gesagt wird — das wahre Heil im Jenseits gewährleistet In ganz anderer Weise erscheint die Idee des Übermenschen bei Jekuda Halevi. Während die Erforschung der Quellen, aus denen Philon schöpft, unseren Begriff von seiner philosophischen Selbständigkeit erheblich herabgedrückt hat, ist bei Jehuda Halevi genau das Umgekehrte der Fall. Gerade weil wir wissen, welche arabischen Philosophen ihn angeregt haben, gerade deshalb stehen wir voll Bewunderung vor einer geistigen Arbeit, die es ihm ermöglichte, Gedanken, die zur Verherrlichung des Islam oder zur Begründung einer überkonfessionellen Frömmigkeit dienen sollten, dem Ziel seiner Lebensarbeit, dem Nachweis des überragenden Wertes des Judentums, dienstbar zu machen. So stellt auch Jehudas Lehre vom Übermenschen die völlig selbständige Umarbeitung einer arabischen Fassung dar. Im Anfang seines Buches legt Jehuda einem „Philosophen", also einem Anhänger des Aristoteles, folgende Lehre in den Mund: Nie hat Gott einen Menschen geschaffen; nie ist ein Mensch anders entstanden als unter dem Einfluß der Vererbung, „der Luft, des Landes, der Speisen, der Gewässer". Man sieht, die Voraussetzungen der griechischen Rassenkunde sind diesem „Philosophen" genau bekannt; und da jene hippokratische Schrift, von der wir eingangs sprachen, den Titel führt: „Über Luftströmungen, Gewässer und Örtlichkeiten", so ist offenbar, daß ihr Einfluß mittelbar oder unmittelbar nachwirkt In der Tat werden aus dieser Piassenkunde Folgerungen für die Abschätzung der Menschen gezogen. Ein Neger, fährt Jehudas Philosoph fort, 9

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