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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 6

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Der Begriff des Übermenschen in der jüdischen Religions-Philosophie
Date
1925-04-01
Page
6 (sequence 4)
Language
German
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I. Heinemaan der Glaube gehört an eine tiefe Scheidung zwischen den Mysten, die eingeführt sind in die göttlichen Geheimnisse, und den Ungeweihten. Natürlich sind die Mysterien, die Philon hier im Auge hat, nicht die Kulte der Demeter in Eleusis oder die ausschweifenden Feiern im Dienste des Dionysos. Gegen diese heidnischen Geheimkulte hat er ausdrücklich polemisiert Wohl aber schwebt ihm jene Vergeistigung des Mysterienglaubens vor, wie sie namentlich Plafcon vollzogen hatte. In seinem Phädon hatte er dem Griechen, der mit allen Fasern an der Sinnenwelt hing, das Bild des von der Unsterblichkeitslehre der Mystik berührten Philosophen entgegengehalten, dessen Leben eine bestandige Loslösung von Sinnenwelt und Sinnendrang und insofern eine beständige Vorbereitung auf den Tod bedeutet — weil er weiß, daß diese Erde nicht unsere Heimat ist, sondern nur ein Gefängnis, aus dem sich die gottentstammte Seele dereinst wieder zu den Gefilden hoher Ahnen emporheben wird. Eine solche mystische Vorstellung von Welt und Leben vollzieht eine völlige Umwertung aller Werte der Erde, an welche gerade der Grieche sich klammert: nicht in Bewunderung der Welt, des Kosmos, also der „Wohlordnung", wie die griechische Sprache sie nennt, nicht in der Fülle flutenden Lebensdranges, die sich auswirkt in heiterem Genuß und freiem künsterischen Schaffen, sondern in dem Sehnen über diese düstere Welt hinaus bekundet sich dem Mystiker das höchste Vermögen des Menschen. In solcher Form erlebt Philon jenes Streben nach Überwinden des bloßen Lebens durch ein höheres Sehnen, wie es jede echte Religion erzeugt Und für die Umwertung des Weltbildes und des Lebensbildes sucht er Stützen in der griechischen Philosophie, wo immer er sie findet: wenn Piaton die Welt der Sinne zum Schattenbild der Ideenwelt entwertet, wenn die Stoiker das Sinnliche nur als Wirkung göttlicher Vernunftkräfte schätzen, wenn die Pythagoreer die Harmonie der konkreten Erscheinungen aus den verborgenen Beziehungen der Zahlen ableiten, — Philon übersieht die Unterschiede dieser Systeme und hört nur das eine, was seiner Religiosität gemäß ist, heraus: die Lehre, daß alles Vergängliche nur Gleichnis eines Unsichtbaren und Ahnbaren ist Und was vom naiven Sinnenbild, das gilt erst recht vom naiven Sinnendrang; sucht der Tor die Sinne zu befriedigen, so sucht der Weise ihrer Knechtschaft zu entgehen; was jenem Lebensfülle heißt, ist für diesen ein Sterben; „wir leben den Tod jener und sterben ihr Leben", dies Wort Heraklits gehört zu den Lieblingszitaten Philons. Mit dieser mystischen Voraussetzung, daß alles Sein und aller Wert in einer Welt liegt, die der Masse unzugänglich ist, daß folglich die Masse blind 6

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