Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 1 (April 1925)
- Article
- Der Begriff des Übermenschen in der jüdischen Religions-Philosophie
- Date
- 1925-04-01
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Begriff des Übermenschen in der jüdischen Religionsphilosophie Vorstellungen anknüpften. So fand es denn drei griechische Begriffsformeln,, die es zu Gefäßen seiner Lebensform zu gestalten gesucht hat Einen physiologischen Begriff vom Übermenschen erzeugte die Rassenkunde, die bereits das Altertum in ausgiebigster Weise gepflegt hat In einer Schrift aus Perikles' Zeit, die unter dem Namen des berühmten Arztes Hippokrates überliefert ist, werden die Unterschiede der Rassen bereits durch Abstammung und klimatische Einflüsse erklärt Von hier aus versucht Aristoteles dem griechischen Nationalstolz eine wissenschaftliche Grundlage zu geben. Ganz im Gegensatz zu seinem Schüler Alexander unterscheidet er die Hellenen, die Mut und Bildung vereinigen, von den meisten Barbarenvölkern, und spricht demgemäß dem hellenischen Übermenschen das Recht zu, über jene Barbarenvölker zu herrschen. Eine zweite Form des Übermenschenideals liefert der Rationalismus. Wenn Nietzsche den Atheismus nur den starken Menschen vorbehalten will, so ist das, wie Nietzsche natürlich wußte, genau die Ansicht griechischer Aufklärer, insbesondere etwa des Geschichtsschreibers Polybios im zweiten vorchristlichen Jahrhundert Die Masse, meint Polybios, muß blind glauben; der höhere Mensch soll die Unwahrheit der religiösen Erfindungen durchschauen, aber die Masse nicht stören; die Macht der Römer beruht wesentlich darauf, daß sie der Masse den Aberglauben und die aus ihm folgenden ethischen Antriebe erhalten haben. Eine dritte Form der Scheidung zweier Menschenklassen schafft die Mystik. Scharf hebt sich von der Masse der Ungeweihlen die kleine Schar der „Mysten" ab, die die Geheimnisse des Lebens kennen und schon hier auf Erden nach der Seligkeit des Jenseits zu streben wissen. Jede dieser drei Formen kehrt im Judentum wieder; freilich keine ganz rein2), jede irgendwie durch die andern mitbestimmt Aber drei große Systeme jüdischer Denker sind ganz wesentlich hervorgegangen aus dem Streben nach einem Übermenschentum, nach einer für die große Menge schlechterdings unerreichbaren Höhe. Der erste jüdische Denker, der von der Idee des Übermenschen berührt war, ist Philon. Fragen wir nicht, was er in der Bibel fand, sondern was für Gedanken er an die Bibel heranträgt, so wird sofort deutlich, daß zu ihnen 2) Natürlich finden sich solche Synthesen schon in der griechischen Philosophie. 5