Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen der Menschen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 309 (sequence 5)
- Language
- German
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Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen des Menschen. 309 gungen durch die Tiere und Reptilien* 1). Diese hat nämlich die Natur zur Bestrafung der Uebeltäter hervorgebracht2).•״ Zu diesem allgemeinen Gedanken der Ausführung Philos sind folgende Ausführungen der Agada zu vergleichen: 7. Zu Job 7,1 ״Fürwahr, dem Menschen ist auf Erden ein Heer zugeteilt“ führt R. Samuel bar Nachmani folgendes aus: Hat er Verdienst, dann ist es ein Heer für ihn; wenn nicht, dann ist es ein Heer gegen ihn. Baut er einen Bau und hat Erfolg — ein Heer für ihn, stürzt er aber vom Baue *) Vgl. weiter unten Nr. 31. 2) Philo, Quaestiones I § 74: Quid est: Omius qui invenerit me, occidet me? Quum vix esset alius homo praeter paremtes eius. — Primum poterat a mundi partibus dammim perpeti, quae quidem ad utilitatem et in bonorum eommunitatem factae sunt, nihilo minus haud exiguam vindictam capiebant a malis. Secundo, quia bestiarum et reptilium damna metuerat; haec enim natura peperit ad vindictam iniquorum. Die Voraussetzung, daß zur Zeit der Er« mordung Abels außer Adam und Eva keine anderen Menschen vorhanden waren, stimmt mit der Annahme Philos, daß die Töchter Adams erst nach Seth geboren worden, vgl. De posteritate Gaini § 11 [ed. Cohn II S. 8 § 33—34]. Es ist daher sehr merkwürdig, daß Rase hi, der zu Gen. 4,1 mit der Agada von 3 Zwillings« Schwestern Kains und Abels spricht, zu Gen. 4,14 fast wörtlich mit Philo übereinstimmt: ״Jeder, der mich findet, wird mich töten — die zahmen und wilden Tiere. Menschen aber, die er hätte fürchten müssen, gab es damals noch nicht, mit Ausnahme von seinem Vater und seiner Mutter. Daß aber diese ihn töten würden, hat er doch sicherlich nicht befürchtet.“ Daß Kain die Tiere fürchtete, sagt auch Josephus Antiq. I 1,1 [ed. Niese I S. 14 § 59] ״Als Kain befürchtete, er könnte, indem er in der Irre herumwandert, unter die wilden Tiere geraten und auf diese Weise umkommen, sagte ihm Gott, er solle keine Gefahr aus dieser Ursache befürchten, sondern unerschrocken durch alle Länder reisen, ohne ein Unglück seitens der Tiere zu befürchten. Auch der jüdisch-persische Dichter Schahin meint, daß Kain fürchtete» die Tiere könnten ihn ob seiner Mordtat zerreißen. Vgl. Bacher, Zwei jüdisch-persische Dichter I S. 84.