Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 11)
- Language
- German
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292 Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen nicht fehlgegriffen hatte, so läßt sich kaum eine bessere Gegenüberstellung finden als Bialystok und Suwalki: Bialystok, von dessen 3370 Einwohnern die Mehrzahl Juden waren, in dessen Rathaus sie über 40 Kaufmannsgewölbe inne hatten, und zu dessen Wochenmärkten bisweilen 1000 Wagen sich einfanden1), und das judenfreie Suwalki, die Gründung des Kamalduleser-Klosters Wigry, das ,,einen sehr großen Markt hatte, wo aber nichts zu kaufen war“2). Wie diese neuostpreußische Stadt in ihrer Eigenschaft als geistliche Pflanzung die Juden und damit die eigene Einbeziehung in den jüdischen Handelsorganismus ausgeschlossen hatte, so waren auch die geistlichen Städte der Posener steuerrätlichen Inspektion, die ebenfalls keine Juden zuließen, von gar keiner Bedeutung3); ebenso war Kosten durch die Vertreibung der Juden und der rührigen Dissidenten zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken4). In Rawitsch aber hatte die Duldung der Juden der Stadt nur Nutzen gebracht, ja die Stadt war durch sie ,,eigentlich emporgekommen"5), und in Kostschin, das dem Gnesener Nonnenkloster gehörte, wünschte die Bürgerschaft selbst zur Erhebung des städtischen Nahrungsstandes den Zuzug jüdischer Familien6). Es war eben zu deutlich, daß dadurch nicht nur eine Verbilligung der Handelsartikel eintrat, sondern daß durch die Anwesenheit von Juden auch die umliegenden Dörfer zu regerem Handels- und Austaüschverkehr veranlaßt wurden. So wird z. B. das verhältnismäßige Blühen von Kurnik auf die Juden zurückgeführt, weil ihretwegen die meisten umliegenden Dorfschaften ihre Produkte dorthin zu Markte brächten7). 1J Hoische 1. 450 f. 2) Holsche I. 443. 3} A. VII, 20, Bl. 168 ff. 4) Ortsch. Nr. 541, Bl. 16 ff., 21 ff. 6) G. T. 103. «) G. T. 110. י) A. VII. 20 Bl. 169. Eine Parallele bietet das schlesische Patschkau. Als vor und nach dem siebenjährigen Kriege alle Ver״