Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 10)
- Language
- German
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erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme. 291 mit Stadtrecht“1 2), die sich gemeinhin ״nur durch die leere Bedeutung des Wortes und ihrer städtischen Gerechtsame von den elenden Hütten des platten Landes unterschieden“8), kümmerlich städtischen Anstrich3). Hier wie dort stellten sie also den kommerziellen und gewerblichen Mittelstand, den tiers etat4 5), dieser Städte dar, während die Masse der Christen eigentlich nur Stadtanrainer, im Stadtverband wohnende Ackerbürger waren. So war es in den neuostpreußischen Mittelstädten Neustadt, Kalvary, Ciechanowiec, Wiesokie, Masowiecki, Siemiatyce und Wyszogrod6). Aufblühen und Niedergang eines Ortes stand ersichtlich im Zusammenhang mit dem Zuzug oder der Verweisung der Juden. Deshalb ist noch bis zuletzt das Streben der adligen Grundherren zu erkennen, durch jüdischen Handel ihre Besitzungen zu heben. So hatte der Minister v. Görne in Polajewo die Anlage einer Judenstadt geplant6), und die Grundherrschaft des neuostpreußischen Siemiatyce7) hatte, in dem Bestreben, aus ihrer Stadt zur Steigerung ihrer Einkünfte einen bedeutenden Handelsplatz zu machen, für ihre Juden ein umfangreiches Rathaus mit über 100 Kaufmannsgewölben gebaut8). Wie hier die Grundherrschaft x) Geh. St. A. Rep. 7 G. la v. I. 204. 2) D. J. 1793, S. 499. Voss an den König 31, 5. 1793. 3) Gervais a. a. O. S. 168, Schmidt I. 430. Brawer 32. 4) B. M, XVIII. 171. Auch Heine ln seinem Aufsatz ״Ueber Polen“ nennt sie so. Heinrich Heines sämtliche Werke, herausgegeben von Prof. Dr. Ernst Elster. VIL (Leipzig und Wien 1893) 192. Nach St. y. Zoltowski: Die Finanzen des Herzogtums Warschau, Lpzgr. Diss. (1890) 14, machten die Juden überhaupt 3/10 des Bürgerstandes aus. 5) Holsche I. 431, 434, 464, 469, 466 und 504. e) B. M. XVIII. 192. ף Holsche I. 466. 8) Auch in Oberschiesien hatten die Mediatherren zur Förderung ihrer Städte und aus finanziellen Gründen di§ Ansiedelung von Juden begünstigt. Joh. Ziekursch: Das Ergebnis der friderizianischen Städteverwaltung und die Städteordnung Steins. (Jena 1908) 64.