Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 4)
- Language
- German
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erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme. 285 Wie der Woll- und Tuchhandel1)ג wurde auch der Lederhandel fast nur von Juden betrieben2); ebenso waren sie sehr stark vertreten beim Handel mit Mehl, mit Wachs und dem vom Ausland stark begehrten Honig3), beim Handel mit dem von ihnen bereiteten Metgetränk4), dem mit Holz5) und Pottasche, mit Fellen und Eisen, beim Pferdehandel6) — auch als Armeelieferanten7) beim Handel mit Salz, mit Material-, Schnitt- und Galanteriewaren, bei dem für katholische Länder so wichtigen Fisch- und Heringshandel8) und selbstverständlich auch beim Wechselgeschäft *>). Den Handel mit Getreide, dem Hauptausfuhrartikel Polens, hatten die Juden allerdings erst mit Hilfe und inx Dienst des Adels zu einem ergiebigen Ausfuhrgeschäft gestalten können, da der Adel nicht nur für die eigene Ernte, sondern auch für das aufgekaufte und sogar für das schon Bürgern entzog und für 9000 Fl. verpachtete — der Pächter war ein Christ — blieben zum Nachteil des Rawitscher Handels die kleinpolnischen Juden aus. St* A. Pos.: Rawitsch C. 1. ף Auch im Netzedistrikt war die Tuchfabrikation, der Hauptnahrungszweig des Bezirks, in vollständiger Abhängigkeit von den Juden gewesen, und dort hatten sie ebenfalls den Tuchhandel vollkommen und allein beherrscht. Bär 1. 431, 461 ff. 2) D. J. 1793, S. 578. 3) Hüppe 305. 4) Nach Struensee 116 hatten den Weinhandel die christlichen Kaufleute fast ausschließlich für sich behalten können. 5) Allerdings wird ihnen auch die Verwüstung der poln. Wälder zum Vorwurf gemacht. L. Gervais, Notizen von Preußen mit besonderer Rücksicht auf die׳ Prov. Litauen II. (Königsberg 1796) 203. Danach Herzberg 34. 6) In Meseritz gab es allein 21 jüd. Pferdehändler. St. A. Pos. Meseritz C. 1. 7) Siehe die beglaubigten Angaben des preuß. Lieferanten Isaac Itzig aus Flatow in Ä. VIII. 4. Geh. St. A. Rep. 96. 242. A v. II. 35. Geh. St. A. Rep. 96 B- 94, Bl. 380: Kab. Ordre v. 28. 6. 1795. s) Geh. St. A. Rep. 7 C. la v. III. 52. Bloch 606. Lewin 30. Auch der Fischkonsum der Juden selbst war stark. D. J. 1793 S. 287. *) Lewin 30.