Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 3)
- Language
- German
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284 Die Stellung der Juden in den 1 93 ל und 1795 von Preußen der arme Tuchmacher in Westpreußen1) durch die jüdischen, der Schlesiens durch die christlichen Beherrscher des Wollhandelmonopols ausgepreßt worden war2). Der Vertrieb der unter solchen Bedingungen gelieferten Tücher und der vom Ausland gebrauchten Wolle3) ging ebenfalls größtenteils durch die Hände der Juden. Zur Zeit der Besitznahme hatte in Posen der Jude Götz den ,,stärksten Vertrieb mit inländischen Tüchern^4), in Lissa, der größten Tuchfabrikationsstadt der Provinz, waren die Tuchhändler ausschließlich Juden5); sie handelten mit in- und ausländischen Tüchern nach Litauen, der Urkraine, der Moldau und nach Petersburg6) und entfalteten einen regen Meßverkehr, und selbst von einem solchen Außenposten wie der Kumiker Tuchfabrik, wo nur 30 Spinner mit 4 ^Stühlen in Tätigkeit waren7), handelten die dortigen Juden nach Lissa, Rawitsch, Bojanowo und Züllichau. In Ra witsch bot der Tuchmarkt Gelegenheit zu ausgedehntem Tauschhandel mit kleinpolnischen Juden8). Beschreibung der Haupttuchmacherstädte Lissa und Rawitsch) Lewin 18 ff. H: Brandt, Beiträge zur Geschichte der Stadt Ostrowo in südpreußischer Zeit. Festschrift zum 50 jährigen Bestehen des Kgl. Gymnasiums. (Ostrowo 1895) 45. h Bär, II. 624 ff. 2) R. Koser*v Geschichte Friedrich des Großen. III. (Stuttgart und Berlin 1913) 239. 3) Aus Großpolen wurde Wolle nach Preußisch- und Oesterreichisch-Schlesien, nach Sachsen, Böhmen und Mähren ausgeführt. D. J. 1793 S. 527 und 556. 4) D. J. 1793, S. 560. . 5) D. J. 1793, S. 559. 6) Bloch 610. Lewin 30. (Sie brachten dafür russische Er- Zeugnisse nach Berlin und Leipzig.) 7) Ortsch. Nr. 570. 8) Das Tauschobjekt war importierter Branntwein, weswegen die Grundherrschaft im Interesse des städt. Brauurbars eine mäßige Abgabe auf den Branntwein, die Topfzinse, legte, die jährl. 1013 Fl. brachte. Als aber der Grundherr 1775 den Branntweinschank den