Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Etliche Streiflichter auf Friedrich Delitzschs "Große Täuschung"
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 4)
- Language
- German
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276 Etliche Streiflichter auf Friedrich Delitzschs ״Große Täuschung“. der Uroffenbarung, daß eine Ehe (den Fall des Ehebruchs ausgenommen) unauflöslich sei. Wer steht nun turmhoch über dem andern, Hammurabi oder Mose? Die andere von Hm. Delitzsch angezogene Schriftstelle Micha 2, 9 handelt nicht von Ehescheidung, wie er in seiner Flüchtigkeit trotz ,,strengster, immer erneuter Prüfung" (S. 6) sich einbildet. Sabbat. S. 99 schreibt Hr. Delitzsch: ״Was den׳ wöchentlichen Ruhetag oder Sabbat betrifft, den das Judentum so stolz ist, der Menschheit geschenkt zu haben, so bleibt es dabei, daß den Babyloniern schon lange zuvor der 7. Tag als ein Unglücks tag galt, an dem ebendeshalb keinerlei Arbeit getan werden sollte, daß somit die Institution des Sabbattages in einem babylonischen Aber־ glauben wurzelt, der sich auch den Hebräern mitteilte." Mit den Hm. Delitzsch natürlich nicht unbekannten Be־ denken, die sich gegen seine Hypothese erheben, macht er seine Leser nicht bekannt: 1. der israelitische Sabbat ein Freudentag (kein Unglückstag); 2. der israelitische Sabbat ist an keine Nummer der Monätstage gebunden wie die 4 babylonischen Unglückstage, die auf den 7., 14., 21., 28. Tag im Monat fielen; denn die israelitische Woche, deren Schluß der Sabbat war, lief, ohne Rücksicht auf die Monatsanfänge regelmäßig weiter. 3. Woher weiß Hr. Delitzsch, daß die 4 babylonischen Unglückstage, welche ,,böse Tage" hießen,, auch ״Sabbate" genannt wurden? Er kann es nicht beweisen. 4. Woher weiß Hr. Delitzsch, daß die 4 babylonischen Unglückstage Tage der all־ gemeinen Arbeitsenthaltung waren, wie die israelitischen Sabbate? In Babel haben die Sklaven immer gearbeitet, wo־ gegen nach Mose es eine Hauptsache ist, daß die Sklaven und das Vieh am Sabbat ruhen sollen (Ex. 23, 12). 5. Nach einem im Jahre 1904 durch Th. G. Pinches bekannt gemachten Keilschrifttext hieß der 15. Tag des Monats ״schapatti", was von dem genannten Gelehrten mit ״schapattu" oder ״schabattu" identifiziert wird; schabattu aber wird in