Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jakob Guttmann
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 255 (sequence 6)
- Language
- German
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Jakob Guttmaan: ־255 gefunden hatten, den Wert des Judentums innerhalb der Weltkultur erweisen, die Auseinandersetzung mit dem Zeitbewußtsein1) ermöglichen, ihnen zeigen, daß das Judentum seine Eigenart vor der Kultur nicht nur nicht zu verleugnen oder ihretwegen aufzugeben braucht, sondern auf Grund seiner geschichtlichen Eigenart auf sie zu wirken geeignet und berufen ist. Er schickt voraus, daß die Religion die unersetzliche Grundlage der Ethik darstellt; der einzelne Religionslose kann zwar sehr wohl ein sittlicher Mensch sein, aber nur deshalb, weil das religiöse Erbe seiner Vorfahren in ihm nachwirkt2). ״Das Gewissen ist der Mond, der die Nacht unseres Seelenlebens erhellt; der Glaube die Sonne, von der der Mond sein Licht empfängt/‘ . Kein Glaube aber vermittelt uns jene Sonnenstrahlen reiner und schöner als der jüdische. ״Das Judentum ist der Träger der monotheistischen Gottesidee und der sittlichen Ideale, die aus dieser Gottesidee entsprungen sind und nur aus ihr entspringen können. Darauf beruht die weltgeschichtliche Mission des Judentums, die ihm auch heute noch und für alle Zeit die Daseinsberechtigung verleiht“3). Gerade weil die Grundlehren des Judentums mit, den Forderungen der Vernunft übereinstimmen, weil es denselben Einen Gott predigt, den die Wissenschaft verkündet, darum hat der Zweifel und die Philosophie, dieses Kind zweifelnder Betrachtung, sich erst so spät im Judentum entfaltet4). Aus dem reinen Gottesgedanken aber fließt die wahre Vorstellung , ״ (גNatürlich erfordert ein solches Unternehmen keineswegs die unbedingte Anerkennung dessen, was einzelne einflußreiche Wortführer als die notwendigen Anforderungen unseres Zeitgeistes aufstellen. Denn in vielen Fällen ist’s nur der Herren eigener Geist, den sie als Zeitgeist proklamieren/4 Ebd. 365. 2) Aus der Rede ״Über die Bedeutung des Judentums in der Gegenwart“, abgedrückt im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur 1903, 93. ף A. a. O. 94. 4) Vgl. die Einleitung zu seinem, Buch über Saadia.