Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Jakob Guttmann
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 250 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jakob Guttmann. Nach einer Gedenkrede, gehalten im Aufträge des Vereins’ ״Freie jüdische Volkshochschule״ in Breslau* anläßlich der ersten Wiederkehr seines Todestages, von I. Heinemaftn. Wenn Gedächtnisfeiern sich nur an das Gedächtnis wendeten, nur halbentschwundene Bilder aufleben lassen wollten in der Erinnerung, so bedürfte der Mann, dem diese Stunde des Rückblicks gilt״ keiner Gedächtnisfeier in unserem Kreise. Wer auch nur Jakob Guttmann flüchtig kannte, sei es aus seiner amtlichen Wirksamkeit, sei es aus persönlichem Verkehr, sei es aus seiner literarischen Arbeit, dem war schon auf den ersten Blick das hohe Bild seiner stolzen Männlichkeit deutlich erkennbar; der fühlte sich selbst fortgerissen von dem Strome von Kraft, der bei aller Liebens- Würdigkeit, bei aller Gemütstiefe von ihm ausging. Jakob Guttmann kennen lernen war leicht, ihn verstehen aber war schwer, sehr schwer. Denn eben jene stolze Sicherheit ergab sich bei ihm nicht, wie bei so manchem, ans der unerschütterlichen Festigkeit der geschichtlichen Bindung, nicht aus der vorbehaltlosen Hingabe an mächtige Strömurigen der Zeit; ob er dem Strome zu folgen oder zu widerstehen schien, durchweg ging sein Fahrzeug unter eigenem Dampf, beharrlich der Richtung folgend, die der Wille des Steuermanns ihm vorschrieb. Daher kann Jakob Guttmann nicht gleichsam von außen verstanden werden, von bestimmten Parteiprogrammen oder Dogmen ans, denen er dienstbar gewesen wäre: in seiner Brust ruhte der Herd seiner Kraft; eine eigene, mühsam gewonnene, zäh festgehaltene Überzeugung gab seinem Wesen jene Sicherheit und Folgerichtigkeit, die andere im Anschluß an die Geschichte oder an die Zeitströmung finden mögen. Diese Überzeugung zu erkennen, damit aber den Quell